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Marterpfahl Verlag

Weidenrute und Schwert (Trilogie Band I)

12. Juli 2010

weidenrute_und_schwert648pWeißenburg 1485: Die junge Witwe Katharina Holzer muß sich einem Gerichtskampf um ihr Erbe stellen und wird dabei von dem dominanten Ritterssohn Rüdiger unterstützt, der auch noch andere Absichten hat …

Gerwalt

Weidenrute und Schwert

Lust und Leiden vor 500 Jahren …

Band I einer Mittelalter-Trilogie

146 Seiten, Paperback, DIN-A 5

15,- €

ISBN 978-3-936708-67-7

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Der Klappentext:

Das gefangene Mädchen, einzige Überlebende des Überfalls, immer noch in die Mönchskutte gekleidet, kauerte auf dem Lager, mit einem Halsreif und einer Kette an die Wand gefesselt. Der Hauptmann bog den Halsreif des Mädchens einfach mit den Händen auf und riß ihr mit einer einzigen Bewegung die Kutte herunter.

Schnapphahn in seinem Versteck schluckte unwillkürlich; er hatte noch nie eine so schöne Frau gesehen, so milchig weiß und zart wie eine Elfe und geradezu ein Spielzeug neben dem haarigen Koloß, dessen beachtlicher Prügel bereits steil empor stand. Schnapphahn sah, wie sich die Augen der Elfe vor Entsetzen weiteten, als sie den Schwengel des Hauptmanns erblickte …

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»Ich kenne dein Geschlecht der Sinzheimer schon seit langen Jahren, Rüdiger«, sagte Abt Henricus. »Es sind keine angenehmen Menschen. Sie morden, sie brennen, sie schänden und rauben ohne Gewissen. Selbst in heutigen Zeiten und im Vergleich zu anderen ihres Standes sind sie von herausragender Grausamkeit.«

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1485: Die junge Witwe des Kaufmannes Reinhard Holzer irrt nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes durch das mittelalterliche Elsaß, trifft auf allerlei Begierden und begegnet schließlich dem Edelknecht Rüdiger, der ihr helfen will, ihren verlorengegangenen Status wiederzuerlangen. Doch wie uneigennützig handelt Rüdiger? Ehe sie es sich versieht, wird sie von ihm in einen Strudel von Begierde und Gewalt hineingezogen, doch schließlich muß sie sich selbst dem Kampf um ihr Recht stellen.

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Leseprobe:

Rüdiger lehnte sich in dem Zuber zurück und schloss die Augen. Er dachte nach.

Seine Position in Weißenburg hatte sich einschneidend zum Schlechten gewendet. Er war Edelknecht Derer von Sinzheim, ritterbürtig zwar, aber als zweiter Sohn des alten Ritters ohne Aussicht, je selbst die Ritterweihe zu erhalten. Wie bei Edelknechten üblich, hatte er dafür allerdings die Freiheit, anderweitig und nach Befähigung Dienste anzunehmen, was angesichts des unausweichlichen Niederganges der Ritterschaft nicht unbedingt die schlechtere Möglichkeit darstellte.

So hatte er sich mit Unterstützung seines Geschlechtes in der Stadt Weißenburg eingekauft, dort ein Haus an der Stadtmauer erworben und zugesichert, an dieser strategisch wichtigen Stelle noch einen Wehrturm zu errichten, dessen Mittel seine Familie allerdings noch hätte aufbringen müssen.

Rüdiger wäre dann in den Stadtrat aufgestiegen; die Weichenstellungen dazu hatte er als Hauptmann der Stadtwache schon vorgenommen. Er war ein ausgezeichneter Fechter und freundlich im Umgang. Daher waren seine Aussichten eigentlich recht günstig gewesen, ein gutes Amt zu erreichen.

Doch nun wurde der Stadtrat ungeduldig: Wo denn der versprochene Wehrturm jetzt bliebe? Aber das Geschlecht Derer von Sinzheim steckte in Geldnöten und konnte seine Zusagen nicht einhalten.

In dieser Situation erreichte Rüdiger die Nachricht vom schändlichen Tod seines Bruders Hugo, des Erstgeborenen, was, so hatte auch

Rüdiger erfasst, de facto das Ende Derer von Sinzheim als Feudalherren bedeutete.

Er war also nun auf sich selbst gestellt. Wenn der Stadtrat erkannt hatte, dass die Ritterschaft der Sinzheimer erloschen war, konnte es sein, dass sie ihn aus der Stadt warfen.

Er seufzte. Die Zerschlagung der Räuberbande war ein guter Schachzug gewesen; allerdings befand sich der erbeutete Wagen nun in der Obhut des Klosters. Der Stadtrat hatte sich als örtliche Gerichtsbarkeit nicht in der Lage gesehen, die Beute Rüdiger und seinen Helfern zuzusprechen, da man in der Eigentumsfrage Zwistigkeiten mit dem mächtigen Straßburg befürchtete. Man hatte bereits einen Boten dorthin gesandt, um die Angelegenheit zu regeln.

(… )

Rüdiger lehnte sich an den Wannenrand zurück, die Augen immer noch geschlossen. Nicht ohne Hintergedanken – denn so zwang er sie, weitere Aktivitäten zu seiner Vorderseite zu verlagern. Er war in derlei Dingen durchaus bewandert.

Ein zarter Finger strich vorsichtig über den langen Schnitt an seinem Oberarm.

»Ihr seid verletzt, Herr.«

Ihre Stimme war leise und angenehm.

»Nichts, was nicht wieder verheilen wird«, sagte Rüdiger leichthin.

Ein gehauchter Kuss auf seine Wange.

Rüdiger erschauerte.

Ihre Stimme war dicht an seinem Ohr.

»Habt Dank für die Vergeltung, die Ihr an meiner Stelle geübt habt.«

»Dankt mir nicht dafür, Katharina.«

»Mir ist nicht mehr viel anderes geblieben, als zu danken.«

Rüdiger seufzte und lehnte seinen Kopf an die Zuberwand.

Eine schmale, zarte Hand glitt ins Wasser hinab.

 

Der Bader grinste, als Katharina aus der Badestube schlüpfte. Einer ihrer Ärmel war bis zur Schulter durchnässt, und sie lächelte.

Der Bader hatte sie noch nie zuvor lächeln gesehen.

In solchen Angelegenheiten traute der Bader dem Edelknecht

tatsächlich vieles zu, denn Rüdiger war ein Mann mit erstaunlichen Talenten.

Anfangs hatte er den Bader allerdings überrascht, ja wütend gemacht mit dem Ansinnen, seine Huren auspeitschen zu wollen.

Der Bader hatte natürlich empört abgelehnt, doch Rüdiger hatte dann wohl eigene Absprachen getroffen, wie der Bader schließlich grollend herausfand. Zwei oder drei der Dirnen ließen zu, dass Rüdiger sie schlug, und der Bader verschaffte sich heimlich Zugang zu solchen Szenen. Wenn er es selbst nicht gesehen hätte, wie die Dirnen sich vor Lust unter Rüdigers Schlägen wanden, er hätte es nicht für möglich gehalten.

Mit der Zeit begriff der Bader jedoch, wie gezielt und kontrolliert Rüdiger vorzugehen pflegte, und dass er intuitiv zu erfassen in der Lage schien, welche Frauen für seine Art der Liebe zugänglich waren und welche nicht.

Der Bader legte frisch gewaschene Leintücher zusammen und wartete, bis Rüdiger den Zuber verlassen und sich angekleidet hatte. Wie gewöhnlich trug Rüdiger sein Gewand aus dunkelrotem Wollstoff, und der Bader musste bei sich zugeben, dass Rüdiger in den engen Hosen, den kniehohen Stiefeln und dem eng anliegenden Wams wirklich gut aussah.

»Nun?«

»Ein Engel …«

»Ja, das ist sie wohl. Weiß sie, dass du Hugos Bruder bist?«

»Ich glaube nicht.«

»Du solltest es ihr sagen, wenn du weiteren Umgang mit ihr pflegst. Aber das ist deine Sache …

Da gibt es übrigens etwas, das du wissen solltest: Ihr Schwager,

Konrad Holzer, ist in der Stadt und fordert den Wagen zurück.«

»Ja, und?«

»Er hat sie bisher weder aufgesucht noch nach ihr gefragt.«  

[Dafür schickt er einen gedungenen Mörder:]

Der Mörder stellte niemals die Frage nach dem Warum.

Nun sollte er also eine Bademagd töten. Das klang nicht allzu schwierig. Mit seinen zwei Gehilfen in Weißenburg angekommen, mietete sich der Mörder in einem Gasthaus ein und machte sich daran, die Lage zu überprüfen.

Er verließ sich aus Prinzip und Erfahrung niemals auf die Angaben seiner Auftraggeber. In der Regel versuchten sie, ihre wahren Absichten auch ihm gegenüber zu verbergen, sei es, weil sie sich schämten, sei es, weil sie sich sonst ausgeliefert gefühlt hätten.

In jedem Falle logen sie.

Also machte er sich selbst ein Bild und besuchte zunächst das Badehaus. Dort gab er vor, eine Hure vom Typ der ihm beschriebenen Frau zu begehren, zierlich, mit braunen Locken und feinen Gesichtszügen. Man zeigte ihm also die verfügbaren Dirnen, doch die Beschreibung passte auf keine von ihnen.

(…)

Eines war nun offensichtlich: seine Zielperson war weder eine Hure noch eine Bademagd. Der Mörder musste mehrfach das Bad besuchen, um sie überhaupt zu Gesicht zu bekommen, jene Frau, auf welche die Beschreibung seines Auftraggebers passen konnte.

Und als er sie gesehen hatte, war ihm klar, dass sie zumindest von gutbürgerlicher, wenn nicht gar patrizischer Herkunft sein musste, so anmutig und zierlich, wie sie sich in ihrem schlichten grünen Leinenkleid bewegte.

Nicht, dass es für ihn einen Unterschied gemacht hätte. Im Gegenteil, nun war ihm klar, dass er in eine Familienintrige hinein gezogen worden war, ein Machtkampf oder eine Erbstreitigkeit etwa, und sein Auftrag erschien ihm jetzt etwas schlüssiger.

Aber es gab tatsächlich ein Problem: Diese Frau lebte sehr zurückgezogen und ging fast nicht aus.

(…)

Doch plötzlich wuchs aus der Brust seines Gehilfen, der das andere Ende der Gasse blockierte, eine blutige Schwertspitze heraus. Ein Mann in rotem Wams trat hinter dem fallenden Gehilfen hervor und stellte sich schützend vor die angegriffene Frau.

Der Mörder zögerte keinen Augenblick, sondern griff den Mann mit einem mächtigen waagrechten Hieb an, dem Zwerchhau.

Dass er einen Fehler gemacht hatte, begriff der Mörder Sekundenbruchteile später, als der Mann mit einem langen Ausfallschritt tief nach vorne abtauchte, das lange Schwert schützend über seinem Rückgrat liegend, und der Mörder selbst durch seinen Schwung an dem Mann vorbeischoss, ohne ihn mit seinem eigenen Schwert zu treffen.

Der Mörder wusste genau, was der liegenden Ausweichparade folgen würde: eine Körperwendung mit feststehenden Füßen und ein Gegenhau. Das Schwert seines Gegners traf ihn Sekundenbruchteile später mit voller Wucht in den Rücken und zerschmetterte seine Wirbelsäule.

Der Mörder prallte gegen die Hauswand und sank zu Boden. Wie im Nebel sah er seinen Gehilfen dem Fechter in den Rücken fallen, doch der Mann im roten Wams schaffte es beinahe rechtzeitig, sich erneut umzudrehen. Er konnte das Fechtmesser des Angreifers gerade noch mit seiner Klinge parieren, wurde jedoch am Ellbogen vom stählernen Faustschild des Gegners getroffen. Doch unbeirrt wendete er sein Schwert über Kopf und traf den Gehilfen mit einem kurzen Hau der Rückschneide seitlich im Gesicht. Der Gehilfe heulte auf und wandte sich zur Flucht. Der Mann mit dem roten Wams zog sein Schwert mit einer weit kreisenden Bewegung zu sich zurück. Er übernahm es mit der linken Hand nahe der Spitze und schmetterte den schweren Knauf mit einem lang gezogenen Mordschlag gegen den Hinterkopf des Fliehenden, der mit zerschmettertem Schädel auf das Pflaster stürzte.

Der Mann mit dem roten Wams trat nun zu dem Mörder heran, welcher hustete, weil ihm das Blut in die zerschnittene Lunge sickerte.

»Wer hat dich geschickt?«, fragte der Mann.

»Du hast bei Hanns Talhoffer gelernt?«, krächzte der Mörder.

Der Mann nickte fast unmerklich.

»Wer hat dich geschickt?«

Der Mörder hustete erneut. Er wusste, es blieb ihm nur noch wenig Zeit.

Schade, dass er sich von der Frau hatte ablenken lassen, aber es war nun nicht mehr zu ändern.

»Wo ist sie?«, würgte er heraus.

Die schöne Frau trat in sein Blickfeld und sah mit Entsetzen auf ihn herunter. In ihren großen Rehaugen standen Tränen. Sie hätte sich wohl zu ihm herunter gebeugt, aber der Mann im roten Wams hielt sie fest.

»Wer?«, sagte der Mann im roten Wams.

»Konrad Holzer aus Straßburg.«

Der Mann mit dem roten Wams nickte und zog die Frau mit sich fort.

»Adieu, Kamerad.«

Der Mörder blieb alleine zum Sterben zurück. Er sah die Gasse entlang, aber alle Türen und Fenster blieben geschlossen. Ein kleiner, struppiger Hund kam heran und schnupperte neugierig an der Blutlache, die sich um den Mörder herum gebildet hatte.

Der Mörder schloss die Augen und wartete. 

 

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Interview mit Gerwalt in der »Sklavenzentrale«

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In einer Rezension urteilte die »Sklavenzentrale«:

 

Man muss nicht Gerwalt-Fan sein, um diese Bücher in Spannung und Faszination zu lesen. Ziemlich wahrscheinlich ist aber, dass man es während der Lektüre wird.

Die dreibändige Geschichte um Rüdiger und die Seinen ist keine typische SM-Geschichte, sondern ein in Gerwalts ureigenem Stil inhaltlich fesselnd- und dazu sprachlich fein und authentisch geschriebener erotischer Roman.

Der Autor versteht es meisterlich, seine Figuren glaubhaft in ihre mittelalterliche Zeit zu stellen. Namen, Begriffe, Schauplätze und historische Hintergründe sind sorgsam gesetzt und recherchiert.

Er erzählt feinfühlig oder sachlich, zuweilen drastisch, aber niemals roh oder ungefüge. Der Faden reißt ihm an keiner Stelle, auch dann nicht, wenn man einen nächsten Band zur Hand nimmt. Keine der wichtigen Nebenfiguren kommt dem Leser im Fluss der Geschichte abhanden, Gerwalt webt auch deren Schicksal glaubwürdig und abschließend wieder in das Gesamtbild ein.

Authentisch lesen sich die Fechtszenen, Beschreibungen von Waffen, Werkzeugen, altertümlichen Berufen und Instrumenten, phantasievoll und anregend die erotischen Begegnungen, irritierend und aufwühlend die wie (Alp)Traumsequenzen kursiv eingefügten Szenen, die Rüdigers dunkles Ich skizzieren. Nichts, wo man hakelte, nichts, was effekthascherisch-, an den Haaren herbeigezogen oder von fremder Feder ungefragt »entliehen« – wie es auch im Bereich der SM-Literatur zuweilen geschieht.

Gute Geschichten zu schreiben ist eines, kein  Leichtes, ein gutes Buch zu schreiben das Zweite, nicht leichter. Eine solche Trilogie zu schreiben, seine Protagonisten in einer Romanfolge über ganze drei Bände leben, lieben und leiden zu lassen, ohne den Leser dabei zu langweilen oder gar zu verlieren, wäre das Dritte. Da gedeiht dann der Schreiber vom Autor zum Schriftsteller. Gerwalt ist das gelungen.

»Weidenrute und Schwert«, »Feder und Farbe« und »Kette und Kreuz« sind für Liebhaber des Genres anspruchsvoller BDSM-Literatur, die darüber hinaus ein kleines Faible für Historie haben, sicherlich ein Leckerbissen. (…)

(»die Seine«) 

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Band I der Romantrilogie von Gerwalt

(Band II: »Feder und Farbe«, Band III: »Kette und Kreuz«)