Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Spanking, Lust und Leidenschaft

16. Februar 2009

spankinglustundleidMänner, die die Hosen anhaben. Frauen, die übers Knie gelegt werden – Frauen mit der Sehnsucht nach der starken, führenden Hand eines Mannes in der Beziehung. Geschichten zum Träumen …

Antje und Andreas

Spanking – Lust und Leidenschaft

168 Seiten

Kartoniert, DIN-A 5

15,- €

ISBN 978-3-9806104-5-2

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Klappentext:

»Au, das tut weh! Laß mich sofort aufstehen!«

Die Hand des Mannes knallte unerbittlich auf ihren Po, zog ihr Hieb um Hieb hinten drüber. Sie wand sich über seinem Schoß; das nackte Hinterteil war gänzlich seiner Gnade ausgeliefert. Inges Höschen hing in den Kniekehlen, der Rock war hochgeschlagen – eine schmachvoll entwürdigende Position -, und doch genoß sie jeden Augenblick. Der Mann hatte sie einfach vorgenommen. Er hatte nicht darüber diskutiert. Alle ihre Ausreden und Entschuldigungen hatte er ignoriert und sie stattdessen übergelegt. Seine Argumente waren handfest, ihr Po leuchtete inzwischen dunkelrot.

Das unnachgiebige Piepen des Weckers riß Inge aus ihren intensiven Träumen. Das Bett war zerwühlt. Die dunkelhaarige Endzwanzigerin stand mühsam auf. Ihre Beine waren weich, und es fiel ihr schwer, den Traum abzuschütteln. »Mir gehört der nackte Arsch versohlt!« Der Spiegel im Badezimmer enthielt sich eines Kommentars.

Es nützte alles nichts. Sie konnte es nun mal nicht ändern.

Mit Träumen alleine wollen sich viele junge Frauen nicht mehr abfinden: Sie stehen zu ihrer Neigung und genießen es, wenn ihr Partner sie ab und zu kräftig übers Knie legt und ihnen klarmacht, wer die Hosen anhat. Wie ist das möglich? Während die meisten Menschen die Antriebe sadistisch veranlagter Menschen – in Grenzen – relativ leicht nachvollziehen können, ernten passive Flagellanten, masochistische oder devote Menschen nicht selten immer noch verständnisloses Kopfschütteln: Wie kann man – und insbesondere frau! – nur freiwillig Schmerzen und Unterordnung auf sich nehmen, dabei gar noch Lust empfinden? Sind diese Frauen nicht geistig im 19. Jahrhundert stehengeblieben? Mitnichten.

Antje, eine selbstbewußte und erfolgreich im Berufsleben stehende junge Frau lebt und genießt ihre Neigung zum passiven Flagellantismus. Sie zeigt uns in ihrem autobiographischen Essay »Der Zauber des Flagellantismus« den nicht immer leichten Weg ihrer Selbstfindung: die Suche nach sich selbst, das Ausloten der Grenzen, das Spannungsverhältnis zwischen Selbstbewußtsein im Alltag und lustvoller Unterordnung im Liebesleben, den Weg von der Verdrängung zur Akzeptanz und Verinnerlichung ihrer Neigungen; Andreas liefert die dazu passenden »Geschichten zum Träumen«, Geschichten, die von strengen und lustvollen Züchtigungen erzählen und die Lust am Flagellantismus widerspiegeln.

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Leseprobe:

Antje: Der Zauber des Flagellantismus – Erfahrungen einer passiven Flagellantin

Die Neigung zum Flagellantismus ist seit langer Zeit Teil meiner selbst. Mir diese Vorliebe einzugestehen, sie als Teil meiner Persönlichkeit zu akzeptieren, war ein langer und bisweilen sehr schwieriger Prozeß.

Seit meiner Pubertät habe ich gespürt, daß ich auf gewisse Weise anders empfinde als gleichaltrige Mädchen und Frauen. Für das andere Geschlecht interessierte ich mich erst relativ spät. Das lag sicher auch mit daran, daß ich viele Jahre eine reine Mädchenschule besuchte (das gibt es tatsächlich heute noch) und mir im Umgang mit Jungs demzufolge die natürliche Unbekümmertheit fehlte.

Mit 17, 18 Jahren machte ich meine ersten zaghaften Erfahrungen – Ende der achtziger Jahre. Ich hatte mich das erste Mal richtig verliebt. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, Tag und Nacht dachte ich an nichts anderes als an meinen Schwarm. Die Gespräche mit ihm, die langen Spaziergänge bei Mondschein – ich schwebte auf einer Wolke der ersten Verliebtheit. Er ging sehr zurückhaltend mit mir um, zu mehr als schüchternem Händchenhalten kam es anfangs nicht. Aber natürlich malte ich mir immer wieder aus, wie es wohl sein würde, wenn wir uns in körperlicher Hinsicht näherkommen würden. In meinen Träumen stellte ich es mir sehr aufwühlend vor, sanft seinen Körper zu erkunden und seine Zärtlichkeiten zu spüren. Die Realität sah leider etwas anders aus. Es war schön für mich, seine Hände auf meinem Körper zu fühlen, aber es ging emotional nicht tiefer. Ich empfand seine Berührungen als angenehm, mehr nicht. Tiefer empfand ich allerdings dann, wenn ich bei einer Umarmung seine Hand mit festem Druck auf meinem Hintern spürte. Diese Berührung löste einen wohligen Schauer in mir aus. Noch intensiver war es für mich, wenn er mir einen spielerischen Klaps auf den Po gab. Von solchen Berührungen träumte ich danach noch lange Zeit. Der winzige Schmerz löste einen eigentümlichen Reiz aus, der mich verwirrte. Ich genoß diesen sanften Schmerz weit mehr, als ich seine Zärtlichkeiten in mir aufnehmen konnte. Ich konnte meine Gefühle nicht einordnen, ahnte und fürchtete aber, daß ich irgendwie anders war, als die »normalen« Frauen in meinem persönlichen Umfeld.

Meine Unsicherheit wurde noch dadurch verstärkt, daß Sexualität an sich ein Thema war, über das ich viel zu wenig wußte. Ich tastete im Dunkeln nach Erklärungen, suchte Antworten auf Fragen, die ich nicht einmal zu formulieren vermochte. Meine persönliche erotische Ausrichtung blieb lange Zeit ein nicht zu lösendes Rätsel für mich.

Das erste Mal kam ich bei einer alten Folge der Serie »Raumschiff Enterprise« mit dem Thema Flagellantismus in Berührung. In einer Szene hatte Captain Kirk seine liebe Not mit einer attraktiven, aber auch widerspenstigen Frau. Auf den süffisanten Rat seines Freundes Pille, die Dame sollte man übers Knie legen, entgegnete Kirk in genußvollem Ton, welch reizvolle Vorstellung dies für ihn sei. Leider hat er die hübsche Frau letztlich doch nicht über seine Knie beordert. Trotzdem hat mich diese Szene, so andeutungsweise sie auch wahr, unheimlich fasziniert. Was wäre gewesen, wenn … Diese Gedanken gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. War es die fühlbare Erotik, die mich an dieser Szene so faszinierte? Oder zog mich die widerspenstige Frau in ihren Bann? Das war damals für mich nicht deutlich erkennbar. Letztlich war es wohl die angedeutete sinnliche Erotik in dieser ungewöhnlichen Art, die mich angesprochen hat.

Solchen Gedankenspielerein nachzuhängen, war schön. Aber die Ängste danach, meine Befürchtung, »nicht normal« veranlagt zu sein, begleiteten mich ständig.

Die männlichen Wesen in meiner näheren Umgebung haben mich damals nicht sonderlich gereizt. Vom Typ Frau her war ich bereits als ganz junges Mädchen – gemessen am Alter und der Lebenserfahrung – eine starke Persönlichkeit. Und die Jungs um mich herum wirkten auf mich allesamt recht grün. Sie interessierten mich wenig, da ich mich ihnen gegenüber überlegen fühlte. Und ich wollte auf gar keinen Fall einen Freund, der es nicht mit mir aufnehmen konnte. Ganz im Gegenteil, ich träumte von einem Mann, einem richtigen Mann, der Stärke und Autorität ausstrahlte. Ich sehnte mich nach festen männlichen Armen, in denen ich mich fallenlassen konnte. Und immer wieder liefen meine Träume am Ende in eine ganz spezielle Richtung. Ich stellte mir vor, wie er mich über seine Knie legen und mir liebevoll-streng den Hintern versohlen würde. Diese Vorstellung faszinierte mich über alle Maßen.

So beginnt Antjes Essay »Der Zauber des Flagellantismus«, in dem sie den Weg ihrer Selbstfindung schildert. Andreas liefert die dazu passenden »Geschichten zum Träumen«:

Rodrigez bewohnte ein kleines Häuschen am Meer. Die weiße Fassade war von kletternden Pflanzen umgeben. In der Ferne heulte ein Hund, als die beiden die Treppe zur Eingangstüre hinaufstiegen. Innen duftete es nach Lavendel. Rodrigez führte sie in sein Wohnzimmer, wies ihr einen Platz auf der Couch zu. Sie tranken schweren, herben Rotwein. Die anfängliche Zurückhaltung wich einer fast schon freundschaftlichen Vertrautheit. Bewundernd ruhten seine Augen auf ihrem fraulichen Körper. Ein transparent wirkendes Kleid schmiegte sich an ihre Kurven. Der Mann hatte längst erkannt, daß das Feuer der Leidenschaft lichterloh in ihr brannte. Geschickt lenkte er das Gespräch in eine gewisse Richtung.

Rachel, finden Sie nicht auch, daß ein Mann bisweilen die Richtung diktieren sollte? Nicht unbedingt in jeder alltäglichen Situation, aber eben dann, wenn bestimmte Dinge aus dem Ruder zu laufen drohen?«

Rachel war diese Vorstellung nicht ganz unbekannt. In etlichen Tagträumen hatte sie es sich vorgestellt. Ein Mann, der sich um sie kümmerte. Jemand, der nicht zauderte sondern klar und eindeutig war. Ein richtiger Mann, wie dieser Rodrigez mit seinen herben, kantigen Gesichtszügen.

»Ja, ich stimme Ihnen zu. Ein Mann sollte wissen, was zu tun ist. Und er sollte niemals den Versuch machen jede Streitigkeit ausdiskutieren zu wollen. Ich bin sehr starrköpfig, Señor Rodrigez, und bisher ist es keinem Mann gelungen, mich davon zu heilen!«

Rodrigez musterte sie mit nonchalanter Lässigkeit. Die Sichel des fahlen Mondes schickte spärliches Licht durch die großen Fensterscheiben.

»Rachel, was aber, wenn ein Mann zu der Überzeugung käme, daß sie für gewisse Verhaltensweisen eine Bestrafung verdient haben? Und wenn er sich nicht abbringen lassen würde, diese Strafe zu vollziehen?«

Rachels Mund wurde trocken, obwohl sie eben noch den roten Wein gekostet hatte.

»Dann bliebe mir wohl keine Wahl, und ich müßte mich in das Unvermeidliche fügen!«

Der Mann stand auf. Dann ging er auf sie zu, er legte seine sonnengebräunte Hand auf ihre zitternde Schulter. Sein Mund war nah bei ihrem Gesicht.

»Folgen Sie mir, Rachel! Ich werde Ihnen zeigen, was Sie bisher versäumt haben!«

Sie gehorchte … (aus der Story »Schmerzen der Liebe«)  

Doch nicht nur im Urlaub kann man neue Erfahrungen machen; auch wenn es eine waschechte Großstadtpflanze – und sei es vorübergehend – in ein traditionell-ländliches Milieu verschlägt, tun sich neue Welten auf:

In der Großstadt war Anne aufgewachsen; die selbstbewußte, junge Frau hatte immer dort gelebt, geliebt und war in ihrem Beruf weit vorangekommen. In der City hatte die junge Frau die Männer kennengelernt, mit manchen geflirtet, mit anderen war sie ausgegangen und hatte den ganzen Reiz der persönlichen Unabhängigkeit bis zur Neige ausgekostet. Immer war sie auf dem neuesten Stand gewesen, hatte die Szenelokale unsicher gemacht und wußte verdammt gut, was sie vom Leben erwartete. Ihr Job als Reporterin einer nicht unbedingt unbedeutenden Zeitung machte ihr Spaß, der Verdienst war in Ordnung, und sie hätte niemals freiwillig Berlin verlassen. Schon gar nicht, um ins tiefste, süddeutsche Hinterland zu ziehen! Aber es nutzte alles nichts. Ihr Chef hatte beschlossen, daß ausgerechnet sie diese vermeintlich langweilige Reportage machen sollte. Über so etwas Antiquiertes wie ländliche Traditionen, Brauchtum und dergleichen. Anne verzog angewidert das Gesicht.

Sie war eine richtige Großstadtpflanze und konnte dem idyllischen Landleben nicht viel Gutes abgewinnen. Schlechtgelaunt hatte sie ihre Koffer gepackt. Die Reportage würde sie zwingen, mindestens einen Monat in diesem öden Kaff zu verbringen. Gärtingen: Das klang schon nach Muff und ausufernder Langeweile. Der Ort war bekannt dafür, daß die Einwohner die alten, überlieferten Traditionen in besonderem Maße pflegten. Alles was sie wußte, war, daß sie über das heimische Kunsthandwerk sowie über die Trachtenvereine und ihre Veranstaltungen berichten sollte. Volksnahe Kulturgeschichte hatte es der Chefredakteur genannt. Anne war nicht sonderlich daran interessiert. Widerwillig verstaute sie ihre Koffer in ihrem Auto. Sie konnte es einfach nicht ändern. Da mußte sie durch. All ihre Professionalität in die Waagschale werfend, drehte sie den Zündschlüssel um. Berlin war bald Vergangenheit und das verschlafene Gärtingen das Ziel.

Es war schon spätabends als Anne ankam. Das Dorf wirkte wie ausgestorben. Die Straßen, sofern man sie als solche bezeichnen konnte, waren nur spärlich beleuchtet und menschenleer. Die alten, gepflegten Fachwerkhäuser waren dunkel, und fast schien es als ob um 21 Uhr sämtliche Gärtinger in den Federn lagen.

Anne fischte nach dem Zettel mit der Adresse ihrer Pension. Endlich fand sie ihn in ihrer Handtasche, zwischen Zigaretten, Kleingeld und ihrem Lippenstift; den sie so lange vermißt hatte.

Gasthaus zum Goldenen Adler, Brückengasse 10

»Das paßt ja!« sagte Anne zu sich selbst. »Wie sonst könnte hier eine Pension wohl heißen?«

Verzweifelt suchte sie nach einem Schild, das ihr mitteilte, auf welcher Straße sie sich befand. Es war rein gar nichts zu sehen. Nachdem sie eine Weile ziellos im Kreis herumgefahren war und außer einer streunenden Katze niemanden entdecken konnte, hielt sie an.

Verärgert steckte sie eine Zigarette an, fand auch das Feuerzeug und saß rauchend und verlassen in diesem Geisterdorf.

»Rauchen ist ungesund, Fräulein!«

Anne zuckte förmlich zusammen. Völlig unvermittelt stand der Fremde vor ihr. Ängstlich und erschrocken kauerte sie sich in ihren Fahrersitz, hoffend, daß der Mann ihr nichts tun würde.

»Entschuldigung, junge Frau. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Wo wollen sie denn hin?«

Jetzt erst erkannte Anne, daß der Mann ein Greis war. Schlohweißes Haar und seine gebückte Körperhaltung verrieten sein hohes Alter. Trotzdem wirkte er mehr als vital. Anne schnaufte erleichtert auf. Von diesem Senior dürfte wohl keine Gefahr ausgehen. Sie streckte ihre Hand aus. Der kräftige Händedruck strafte sein Alter Lügen. Anne war froh, als er sie wieder losließ.

»Anne Tauber, mein Name. Vom ‘Berliner Tagblatt‘. Ich suche das Gasthaus zum Goldenen Adler.«

»Angenehm, Weber … Josef Weber heiße ich. Das kann ich Ihnen zeigen. Es ist gleich hier um die Ecke. Keine hundert Meter entfernt.«

Anne fand den alten Mann sehr sympathisch. So störte sie es nicht, daß er einstieg und sie sicher zu der Pension lotste. Auf einem eingeschotterten Stellplatz parkte sie den Wagen. Der hilfreiche Herr Weber ließ es sich nicht nehmen, zwei ihrer Koffer zu tragen. Anne schenkte ihm ein dankbares Lächeln dafür.

Das Gasthaus war von uralten Birken umgeben. Eine kleine Laterne tauchte das malerische Gebäude in ein gespenstisches Licht. Eine Treppe aus unbehauenen Sandsteinen führte zu der schweren Eingangstüre aus massivem Eichenholz. Eine elektrische Türglocke war nicht vorhanden, statt dessen ein großer Eisenring, der sicher seit etlichen Jahren als Türklopfer diente.

Sie klopften an, und nach einer kleinen Weile wurde die Türe geöffnet. Eine Frau in mittleren Jahren stand imposant im Türrahmen und musterte abschätzend den späten Besuch.

»Sie sind sicher das Fräulein Tauber aus Berlin?! Wir haben Sie etwas früher erwartet. Normalerweise machen wir um diese Zeit gar nicht mehr auf!«

Anne mußte sich ein Grinsen verkneifen. Die Dame wog sicher an die anderthalb Zentner. Ein sogenannter Dutt und eine derbe Kittelschürze gaben ihr ein geradezu groteskes Aussehen. Amüsiert beobachtete sie die tadelnden Blicke, die sicher ihrem relativ kurzen Kostümrock galten. Anne war stolz auf ihre langen, endlos scheinenden Beine, und sie genoß es, wenn sie im Blickpunkt standen.

»Es ist ein weiter Weg von Berlin. Es war mir nicht möglich, früher zu kommen. Würden Sie so freundlich sein und mir mein Zimmer zeigen. Ich bin sehr müde nach der langen Fahrt.«

Der schnippische Tonfall, den Anne so gut beherrschte, brachte ihr einen tadelnden Blick der Wirtin ein. Kopfschüttelnd und vor sich hinschimpfend, führte sie Anne auf ihr Zimmer. Der alte Mann stellte die Koffer ab und verabschiedete sich dann überaus herzlich. Anne bedankte sich für seine Hilfe, und dann war er verschwunden. Die Wirtsfrau stemmte die kräftigen Arme in die Hüften und erklärte Anne die Gepflogenheiten der einheimischen Gastronomie.

»Frühstück gibt’s von sieben bis neun Uhr! Wer später kommt, kriegt nichts mehr! Herrenbesuche sind unerwünscht und auch verboten! Halten Sie sich daran, Fräulein Weber!!«

Anne nahm das Reglement erheitert zur Kenntnis. Es war unglaublich. Hier in diesem Ort schienen die Uhren wirklich noch anders zu schlagen. Nun ja, das konnte ja doch noch recht lustig werden!

»Ich danke Ihnen für ihre Ausführungen. Nun würde ich gerne schlafen gehen. Ich bin nämlich todmüde!«

Grußlos stapfte die Wirtin davon. Solch eine vorlaute Städterin hatte sie noch nie erlebt! Als sie an der Wendeltreppe angekommen war, drehte sie sich noch mal um, und Anne kam es vor, als werfe sie ihr einen schadenfrohen Blick zu.

Anne packte ihre Koffer gar nicht mehr aus. Sie zog ihre Kleider aus, huschte splitternackt ins Badezimmer und tat nicht mehr, als sich frisch zu machen und die Zähne zu putzen. Dann schlüpfte sie in ihr duftiges Nachthemd und verkroch sich in das weiche, gemütliche Bett. Die kuschelige Daunendecke schenkte ihr wohltuende Wärme, und sie sank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen, in aller Herrgottsfrühe, krähte tatsächlich ein Hahn. Anne erschrak regelrecht, als sie das ungewohnte Geräusch aus Morpheus‘ Armen riß. Verschlafen rieb sie sich die Augen und sah auf ihren Reisewecker. Sieben Uhr!

Es lag ein anstrengender Tag vor ihr mit etlichen Terminen. Den ersten hatte sie mit dem Bürgermeister, und so beschloß sie aufzustehen, um zu frühstücken.

Als sie in die Gaststube kam, wurde sie vom Duft frischgebackener Brötchen und starken Kaffees empfangen. Hinter dem Tresen stand ein etwa 50jähriger Mann, der hingebungsvoll Bierkrüge abspülte. Die dicke Wirtin konnte Anne nirgends erkennen.

»Guten Morgen! Sie sind sicher die Reporterin, die den Bericht über unser Dorf verfassen will. Ich bin der Gastwirt hier, Franz Oberleitner.«

Höflich streckte er ihr die derbe Hand entgegen, sie vorher sorgsam an seiner Kordhose trockenreibend.

»Angenehm. Ja, ich bin Anne Tauber. Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft. Ich bin ja hier, um eine Reportage über alte Bräuche zu machen, die immer noch gepflegt werden hier am Ort.«

Der Mann kratzte sich verlegen am Hinterkopf.

»Ja, das Brauchtum ist sehr lebendig hier, Frau Tauber. Auch wenn’s manche nicht so gerne mag!«

Anne stutzte. Hatte er »manche« gesagt? Was konnte das bedeuten? Wahrscheinlich hatte sie sich nur verhört! Sie nickte nur zustimmend und widmete sich wieder ihrem wohlschmeckenden Frühstück.

Nachdem sie sich ausgiebig gestärkt hatte, machte sich Anne auf den Weg zum Haus des Bürgermeisters. Franz, der Wirt hatte ihr den Weg bestens erklärt, und so fand sie es fast auf Anhieb. Der Bürgermeister war ein distinguierter, älterer Herr; der ein richtig würdevolles Auftreten hatte. Zuvorkommend beantwortete er alle Fragen, öffnete Ordner des Stadtarchivs und klärte Anne bereitwillig über die verschiedenen Aspekte der Brauchtumspflege auf. Es gab eine Glasbläserei, einen Kunstschmied sogar eine richtige Sattlerei war hier noch ansässig. Dann kam er auf die alten Traditionen zu sprechen.

»Wir pflegen hier seit Jahrhunderten die uralten, überlieferten Rituale. Jedes Jahr zum Frühlingsbeginn gibt es das traditionelle Maifest. Sie werden es ja erleben, nächsten Freitag ist es ja soweit. Es werden die alten Tänze aufgeführt, und wir tragen dann die Trachten, die schon unsere Vorväter trugen. Sie sind herzlich eingeladen daran teilzuhaben.«

Die Unterhaltung mit dem Bürgermeister war für Anne sehr aufschlußreich. Es war enorm, welches Wissen er über die Vergangenheit des Dorfes sein eigen nannte. Sie hätte ihm stundenlang zuhören können, wenn nicht plötzlich dieses seltsame Geräusch die Unterhaltung unterbrochen hätte.

Es war ein Klang, den Anne noch nie gehört hatte. Ein lautes Klatschen, als ob jemand begeistert applaudierte. Was Anne wirklich irritierte, waren die eindeutigen Schmerzenslaute, die das geheimnisvolle Klatschen begleiteten. Beunruhigt sah sie den Bürgermeister an.

»Was … was ist das für ein Geräusch?«

Der Ortsvorstand schien es gar nicht zu hören. Auf jeden Fall wirkte er nicht gerade erstaunt.

»Das Klatschen meinen Sie? Das … das ist nur der Hubert. Er arbeitet als Gärtner bei mir, und die, welche so jämmerlich schreit, ist die Marie, seine Frau. Er hat sie gestern beim Tratschen erwischt, und weil er ihr das verboten hat, haut er ihr heute den Hintern voll!«

So ist das mit dieser Geschichte und so ist das mit den Dörflern – »erst fang se janz langsam an, aber dann, aber dann!« Näheres in der Story »Anne und die Traditionen« …