Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Ins Kleidchen gezwungen

21. April 2012

Stepford Ins Kleidchen gezwungen 250pixelVor Reisen in die Südstaaten wird gewarnt: Wer nicht knallhart männlich ist, wer ein wenig tuntig oder transig ist oder sich für Bücher wie dieses hier interessiert – der wird zwangsweise zur Frau gemacht …

jaSMin Stepford

Ins Kleidchen gezwungen

Bist als Mann du zu schwach, wirst als Frau du wach

Roman

192 Seiten

18,50 €

ISBN: 978-3-936708-91-2

*****

Wohlige Passivität – aus dem Leben einer Frau, die nicht immer eine Frau war:

 

Festgeschnallt auf dem gynäkologischen Stuhl, blickte Chris jetzt in das Gesicht eines Mannes in mittleren Jahren, der eigentlich recht vertrauenerweckend aussah. Langsam beruhigte sich ihr Puls wieder, und sie entspannte sich. »So ist’s recht«, lächelte der Mann erfreut, als er es bemerkte. »Schau mich an!«

Chris tat es und stellte fest, daß von ihm wirklich etwas Beruhigendes ausging. »Wie ich heiße, weißt du ja schon. Es gibt wirklich keinen Grund für ein hübsches, nettes Mädel, Angst zu haben vor einem Mann, der ihm doch nur helfen möchte, ein noch netteres Mädel zu werden. – Schau mich an! Nicht woanders hinsehen!«

Chris blickte in Soerensens eisblaue Augen; Schauer durchliefen ihren Körper, und ihr Herz schlug wieder etwas schneller, während Soerensen seine warmen Hände ungeniert über die intimsten Teile ihres offen preisgegebenen Körpers wandern ließ.

»So wirst du noch oft daliegen – vor mir, vor Dr. Feinman, später vor deinem Mann …«

Die tiefe Stimme des Mannes hatte etwas Beruhigendes.

»Ist das auch bei Ihnen zu Hause auch so?« fragte Chris leise; es kam ganz spontan heraus.

»Aber natürlich«, erwiderte Soerensen lächelnd im selben unerschütterlich ruhigen Duktus. »Meine Frau lebt mit mir und unseren fünf Kindern in voller Harmonie – und bei dir wird es genauso sein.«

Tatsächlich begann Chris unwillkürlich zufrieden zu lächeln. Kaum hörte sie noch, wie die Ärztin sich wieder leise entfernte. Chris wollte nur noch ruhig sein; die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Es tat so gut, einfach nur noch zuzuhören. Eine tiefe Wärme und Schwere verbreitete sich von ihrem Unterleib über den ganzen Körper, und die blauen Augen Soerensens schienen immer unergründlicher zu werden, wie um sich darin zu verlieren. Sie wollte in seine Stimme hineinkriechen. »Du wirst immer daran denken: Es ist gut so, wie es gekommen ist. So gut. Du bist jetzt ganz ruhig und schwer. Du wirst immer spüren: Es ist gut so, wie es gekommen ist …«

 

Doch bevor frau sich lustvoll in den Wonnen der Passivität gehenlassen kann, steht die Gewöhnung an die notwendige Disziplin und Ordnung auf dem Stundenplan:

 

»Guten Morgen!« sagte eine korrekt gekleidete ältere Dame freundlich, als Chris ohne weitere Aufforderung das Zimmer betreten hatte. »Ich bin Geraldine Flanagan, die Leiterin dieser Schule. Willkommen bei uns!«

Sie ging auf Chris zu und schüttelte ihr die Hand. »Ich lege Wert darauf, jede neue Schülerin persönlich zu begrüßen und kennenzulernen. Wie geht es dir? Hast du dich schon an dein neues Ich, dein eigentliches Ich gewöhnt?«

»Na ja«, räumte Chris ein, »ein wenig ungewohnt sind diese schwingenden Röcke und Kleider schon noch, allerdings bei Hitze gar nicht so unangenehm.«

»Da hast du sicher recht. Nun, wir werden hier in einem viermonatigen Kurs daran arbeiten, daß dies alles und noch viel mehr für dich zur Selbstverständlichkeit wird, zum Ausdruck deines eigenen Wesens. Du wirst hier im Schnelldurchgang einiges von dem lernen, was unsere Mädels sonst in den hauswirtschaftlichen Gymnasien über Jahre hinweg lernen: Kochen, Backen, Nähen, Raumpflege, Kleiderpflege, Säuglingspflege. Hinzu kommt dann noch die medizinisch-psychologische Nachsorge, dreimal wöchentlich je anderthalb Stunden, unter anderem mit Hypnose, damit ihr euch besser in euer neues Leben einleben könnt.«

Chris schien etwas anderes mehr zu beschäftigen. »Sagen Sie einmal …« Sie zögerte.

»Ja?«

»Ist es wahr, was überall behauptet wird … daß hier noch der Rohrstock zum Einsatz kommt?« Anstelle einer Antwort holte Miß Flanagan einen langen, dünnen, gelblichen Stock unter ihrem Schreibtisch hervor und legte ihn darauf. Sie lächelte, als sie Chris’ Beklommenheit sah.

»Nimm ihn nur die Hand, er beißt nicht!« Chris nahm ihn vom Tisch auf und spürte, wie ihr Herz schneller hüpfte. Sie ließ den Stock, widerwillig fasziniert, durch ihre linke Hand gleiten.

»Wir haben die Erfahrung gemacht, daß sich die völlige Abkehr von der körperlichen Züchtigung nicht bewährt hat. Die Kraft vernünftiger Argumente hat doch oft ihre Grenzen … da haben wir das hier als ultima ratio, als äußerstes Mittel, wiedereingeführt.«

»Aber wir sind doch schon erwachsen!« entfuhr es Chris ganz unwillkürlich.

»Aber ihr macht eine Phase der Neuorientierung und Umerziehung durch, in der ihr das neu lernen müßt, was die anderen bereits mit vierzehn, fünfzehn gelernt haben.«

»Sie meinen – alle ›Nachzügler‹ … werden so erzogen?«

Das Lächeln der Schulleiterin verstärkte sich. »Nun, es wäre wohl etwas unpassend, angehende Architekten oder Straßenbauer mit Rohrstöcken zu traktieren, nicht wahr? Wir machen das selbstverständlich nur bei den Personengruppen, bei denen es angemessen ist.« Angesichts dieser lächelnden Selbstverständlichkeit fiel Chris nichts mehr ein.

 

Noch früher steht die (anfangs schmerzhafte) Einsicht, für ein aktives, dominant-männliches Leben nicht geboren zu sein:

 

»Ich hätte nie da hingehen sollen!« Die junge Frau im Krankenhausbett, die gestern noch ein Mann war, wurde wieder von Schluchzen geschüttelt.

»Das ändert doch nun auch nichts mehr!« sagte ihre Cousine tröstend und hielt ihr die Hand, die immer noch sicherheitshalber am Bettgestell fixiert war. »Und außerdem – wenn das doch das Beste für dich ist …«

»Und wenn ich wieder in Deutschland bin?« Die junge Frau lebte sichtlich auf bei diesem Gedanken. »Ich meine, ich bleibe natürlich Frau, aber Hausfrau und Mutter muß ich dann doch nicht mehr unbedingt werden, oder?«

»Chris«, sagte die Besucherin betrübt und griff wieder tröstend nach Chris’ Hand, »denk doch nicht immer an das Unternehmen! Darum kümmert sich Albert schon. Man kann sich da hundertprozentig auf ihn verlassen. Wir Frauen müssen uns um andere Dinge kümmern. Wenn die vom Test meinen, du bist nicht geeignet, ein Unternehmen zu führen, dann ist das auch garantiert so, glaub mir! Die irren sich nicht. Sei doch mal ehrlich: Hast du die Büroarbeit in der Firma geliebt, die Aussicht, Verantwortung für so ein großes Geschäft tragen zu müssen?«

Chris zögerte. »Nun ja …«

»Ist es da nicht viel schöner, wenn wir die Menschen so richtig verwöhnen, die um unseretwillen diese Bürde auf sich nehmen?«

Chris schwieg.

»Brauchst nicht zu antworten, Chris – entspann dich einfach. Die Schwestern haben mir gesagt, daß du eine wunderschöne, hübsche junge Frau werden wirst mit rund einem Meter Oberweite, schlanker Taille und genau den richtigen Rundungen – eine richtige ›Southern Belle‹. Du wirst dich vor Interessenten kaum retten können und dankbar sein für einen Beschützer!« lachte sie.

»Wie geht es denn jetzt erst mal weiter?« fragte Chris, statt die Freude ihrer Cousine zu kommentieren.

Die dachte einen Augenblick nach. »Nun, soweit ich weiß, bleibst du noch drei, vier Wochen hier, bis alles grob verheilt ist, und dann folgt ein viermonatiger Kurs in allem, was bei uns die Mädels schon mit 13 oder 14 lernen … in einer Spezialschule irgendwo draußen auf dem Lande. Aber laß das doch einfach alles auf dich zukommen – du solltest lernen, nicht so viel zu planen und die Dinge einfach mehr geschehen zu lassen …«

 

Davor wiederum stand – mitten im geruhsamen Urlaub unter Palmen – die vermeintliche harmlose Einladung:

 

»Guten Morgen, Christian!« begrüßte die zierliche Blondine den braungebrannten jungen Mann im seidenen Kimono. »Guten Morgen, Maud!« entgegnete der überrascht. »Ich denke, du mußt dich ab jetzt wieder um deinen Mann und deine Kinder kümmern; hast du das nicht selber gesagt?«

Noch etwas verschlafen nahm er am Frühstückstisch Platz. Die Terrassentür stand wie üblich offen; Vogelgezwitscher drang vom Garten herein.

»An sich ja«, plapperte Maud vergnügt weiter und ging in die nach amerikanischer Art offene Küche, daß ihr rosafarbenes Kleid sie umwehte, als habe sie einen Petticoat von anno dazumal darunter an. »Aber im letzten Moment stellte sich gestern abend heraus, daß wir doch noch unsere Familienhelferin bekommen. Die war ganz begierig zu beweisen, daß sie auch allein mit den Kindern und dem Frühstückmachen für meinen Mann klarkommt.« Maud lachte. »Na, dachte ich mir, dann kannst du ja ruhig den Vormittag bei Vater verbringen und ihm und unserem netten Cousin aus Deutschland ein wenig die Zeit vertreiben.«

»Danke, das ist lieb. Montagmorgen sind sonst immer so trist; nur wenn man in Ferien ist, kann man sich drüber freuen, daß man zu Hause bleiben darf, während die anderen zur Arbeit müssen.«

»Finde ich auch!«

Am Anfang hatte er keine Lust gehabt, länger zu bleiben, dann hatte er nachgedacht: Was soll’s – der Betrieb ist vorerst mal gerettet, die Sonne scheint, ich hab momentan keine Verpflichtungen, die letzten Monate waren hart – warum nicht mal die Seele baumeln lassen? Und so war er ins Schwimmbad und in die Innenstadt gegangen und hatte die aus europäischer Sicht eigenartige Atmosphäre der Stadt aufgesogen: die vielen Frauen mit Kinderwagen, Frauen, die in ihren Sommerkleidern aussahen wie in einem Film aus den 50er Jahren, korrekt gewandete Herren in Anzug und Krawatte, manche auch mit Hut; die vielen Gotteshäuser. »Mit Laptop und Lederhose« nannte man das wohl in Bayern, hierzulande hieß es »Tradition und Fortschritt«. Supermoderne Technik, aber ansonsten alles wie anno dazumal. Im Laufe der drei Wochen hatte seine Haut eine gesunde Bräune angenommen.

Jetzt aber freute er sich auf Kaffee und Toast. »Kommt schon!« rief Maud fröhlich; sie hatte seinen hungrigen Blick richtig gedeutet. Die perfekte Hausfrau, dachte Christian, als er kräftig in einen dick mit Marmelade bestrichenen Toast biß und dazu einen großen Kaffee schlürfte. Auch Maud setzte sich bald und ließ es sich schmecken. Im Hintergrund lief das Frühstücksfernsehen, kaum beachtet. Christian überflog die Morgenzeitung, die er allerdings ein wenig fad fand. Er vermißte die Frankfurter Allgemeine, der er daheim zu lesen pflegte; konservativ zwar, aber allemal ein niveauvolles, lesenswertes Blatt, das einen allzu oft verlockte, die Arbeit liegenzulassen, um sich ins Blatt zu vertiefen – was man von der hiesigen Zeitung leider nicht sagen kann.

Im Hintergrund hörte er den Nachbarshund kläffen und sah auf die Küchenuhr. Neun Uhr durch … Die Post kommt. Maud nahm ihm den Gang zum Briefkasten ab. Mit einer Handvoll Briefe und sonstigen Postsachen kehrte sie zurück. »Ist auch was für dich da, Christian.«

Für mich? Er ließ die Zeitung sinken und griff nach dem Kuvert. Von zu Hause kam der nicht, so viel war schon mal klar. Neugierig schlitzte er das Kuvert auf. Der Brief war ziemlich kurz; dennoch mußte er ihn zweimal lesen.

»Maud«, rief er dann, »komm doch mal bitte.«

»Was ist denn?« fragte sie beim Näherkommen.

Er hielt ihr den Brief hin. »Das kann doch wohl nur ein Irrtum sein. Die haben mich zur Teilnahme an eurem berühmten Test aufgefordert!«

 

 

Es ist was faul im Staate Missiona …