Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Feder und Farbe (Trilogie Band II)

12. Juli 2010

gerwalt_feder_und_farbe_trilogie_band_2-250px1496: Wie lange wird der Rittersohn Rüdiger in Weißenburg noch als Fechtlehrer sein Auskommen haben? Kann er seine dominante Ader ausleben, wenn er die Färberstochter Dorell heiratet?

Gerwalt

Feder und Farbe

Lust und Leiden vor 500 Jahren …

Band II einer Mittelalter-Trilogie

150 Seiten, Paperback, DIN-A 5

15,- €

ISBN 978-3-936708-68-4

**********

Der Klappentext:

Sie weint.

Sie ist in der Hölle.

Sie ist in einem Gewölbe aus rotem Stein gefangen; sie hat in einer Ecke des Raumes gelegen, und die Kette ihres Halseisens war an einem Ring an der Wand befestigt. Der Raum ist groß, einige Meter im Geviert, die Decke besteht aus zwei parallelen Tonnengewölben, die von zwei Säulen in der Mitte des Raumes getragen werden. Im flackernden Licht der Fackel hat sie gesehen, was der Kerker beinhaltet: Käfige, eine Streckbank, das Rad, das Brandeisen …

+++

Im Jahre des Herrn 1496 hat der Edelknecht Rüdiger von Sinzheim sein Auskommen als Fechtlehrer in der elsässischen Stadt Weißenburg gefunden. Der wohlhabende Färber Mathis macht ihm ein Angebot, sein Nachfolger zu werden, wenn er seine schüchterne Tochter Dorell heiratet. Doch er ahnt nichts von Rüdigers Abgründen.

Zudem ist Schwertfechter Rüdiger von dem italienischen Meisterfechter Lorenzo herausgefordert, der das modernere Fechten mit dem Rapier über die Alpen gebracht hat.

Und da ist noch der Dominikanerprediger, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das freizügige Badehaus der Hure Ute aus dem Stadtbild zu tilgen. Weißenburg versinkt in einem Rausch der Gewalt, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint.

**********

Leseproben:

»Ute ist nicht da. Sie besucht ihre kranke Mutter auf dem Land.«

Rufinas Stimme klang abweisend, und sie versperrte Rüdiger mit ihrem kurvigen Körper den Eingang in das Badehaus. Rüdiger mochte die rothaarige Hure eigentlich, und sie hatte sich ihm früher auch hingegeben, sich sogar von ihm peitschen lassen. Doch seit dem Tag, als er Katharina damals, im Sinnesrausch benebelt, in seinem Keller gefoltert hatte, verachtete sie ihn und wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Rüdiger seufzte.

»Ja, gewiss, Rufina. Dann ist sie eben nicht da. Würdest du mich trotzdem hereinbitten?

Ich komme als Kunde in euer Haus. Ich würde gerne die beiden

neuen Mädchen sehen, Ann und Brid.«

Rufina gab die Tür jetzt widerwillig frei, und Rüdiger folgte ihr ins Haus. Ein zweites Mal seufzte er, denn Rufina trug ein dünnes, grünes Leinenkleid, unter dem sich ihr wiegendes Hinterteil nur zu deutlich abzeichnete.

Rüdiger dachte an die Nacht, als Ute und Rufina ihn mit Erfolg davon abgehalten hatten, sich Katharina unsittlich zu nähern; sie waren damals beide sehr überzeugend gewesen.

»Brid! Ann! Ein Kunde möchte euch sehen!«

Rufinas Stimme klang nicht eben freundlich, als sie die jungen Huren rief.

Die beiden Mädchen hätten Schwestern sein können; beide hatten dunkelblondes, glattes Haar, ein offenes, fröhliches Gesicht und einen zwar schlanken, aber dennoch kräftigen Körperbau.

Tatsächlich stammten sie aus demselben Dorf am Fuße der Vogesen und waren weitläufig miteinander verwandt. Die Armut hatte sie in die Stadt getrieben, wo Ute ihnen bereitwillig Unterschlupf gewährt hatte.

Die beiden plauderten unbefangen mit Rüdiger, doch Rufina unterbrach das Gespräch.

»Welche möchtest du?«

»Beide, in der großen Kammer im Hinterhaus.«

Rufina nannte einen fast unverschämt hohen Preis, und Rüdiger bezahlte, ohne zu feilschen.

Die beiden Mädchen nahmen Rüdiger in die Mitte, und Rufina folgte ihnen. Sie wird uns nicht aus den Augen lassen, dachte Rüdiger amüsiert.

Die Kammer war recht geräumig, und der hintere Teil war mit Strohsäcken ausgelegt, auf denen große Kuhfelle ausgebreitet waren.

Rüdiger mochte die Kammer, unter anderem, weil sie offen liegende Deckenbalken und zwei große, freistehende Stützpfeiler hatte.

»Bitte zieht euch aus, Ann und Brid. Und du, Rufina, bring mir Seil. Viel Seil.«

»Du wirst ihnen kein Haar krümmen, Rüdiger!«, sagte Rufina

drohend.

»Nein, werde ich nicht. Es sei denn, sie bitten mich darum«, entgegnete Rüdiger fröhlich. »Du erinnerst dich vielleicht selbst noch an …«

Rufina stob davon, die Mädchen sahen ihr verdutzt nach.

»Ich sagte ›Ausziehen!‹«, erinnerte Rüdiger sie sanft.

Jetzt waren die beiden plötzlich doch befangen und zögerten einen Augenblick, bevor Brid als erste ihren Gürtel löste und sich zunächst das Oberkleid und dann das dünne Hemd über den Kopf zog. Ann tat es ihr nach, und die beiden standen nun nackt und etwas unschlüssig vor Rüdiger. Der betrachtete sie, ohne eine Miene zu verziehen, und machte auch sonst keine Anstalten, die Situation zu entspannen.

Die beiden Mädchen waren hübsch und sich auch nackt sehr ähnlich; Anns Brüste waren vielleicht etwas voller und ihre Hüften breiter als die von Brid, aber sie hatten in etwa die gleichen Proportionen, denselben sandfarbenen kleinen Busch auf dem Schamhügel, ähnliche schlanke Schenkel und den gleichen warmen Ton der Hautfarbe, den Rüdiger so angenehm passend für sie fand. 

Rufina kehrte nun wieder in die Kammer zurück und legte die Hanfseile auf den Boden.

Rüdiger nahm Ann bei der Hand und drückte sie sanft auf die Knie hinunter, mit dem Rücken einem der Holzpfeiler zugewandt. Er band ihr die Handgelenke hinter dem Rücken zusammen und fixierte sie an der Säule, so hoch, dass ihre Arme nun waagrecht standen. Ann krümmte sich automatisch etwas nach vorne, um dem schmerzhaften Zug auf ihre Schultergelenke zu entgehen.

Rüdiger bedeutete jetzt Brid, sich bäuchlings vor Ann auf den Boden zu legen und fesselte ihr die Unterarme verschränkt hinter dem

Rücken zusammen.

An einem der Seile war ein großer, eiserner Ring angebracht, Rüdiger warf das Seil über den Deckenbalken und ließ den Ring so weit herunter, dass er etwa eine halbe Körperlänge über Brids Rücken hing. Nun band er ihre abgewinkelten Unterschenkel mit zwei kurzen

Stricken nach oben an den Eisenring, und auch zwei Seile, welche er um Brids Hüften und Schultern schlang, um ihr Gewicht aufzunehmen, befestigte er an dem Ring.

Dann griff er beherzt nach dem herunterhängenden Seilende und zog Brid in die Höhe. Sie stieß einen überraschten Laut aus, als sie sich waagerecht und frei schwebend wieder fand, etwa in der Höhe von Anns Kopf.

Rüdiger war zufrieden, aber noch nicht am Ende seines Vorhabens angelangt. Er nahm seine Lederhandschuhe und wickelte sie längs zu einer festen Rolle zusammen, welche er in der Mitte mit einem Seil zusammenknotete. Das eine Ende der Rolle steckte er der überraschten Ann bis zur Mitte in den Mund und band das eine Seilende um ihren Nacken fest. Dann zog er Brid so weit heran, dass er ihr das andere Ende der Rolle in den Mund schieben konnte. Als Brids und Anns Lippen sich berührten, schlang er das Seil auch um Brids

Nacken. Die Gesichter der Mädchen waren nun zu einem geknebelten Kuss zusammen gebunden, und Rüdiger trat einen Schritt zurück, um sein Werk zu betrachten.

»Ich nehme an, du möchtest den Raum jetzt auf keinen Fall verlassen?«, fragte er Rufina.

»Auf keinen Fall!«, bestätigte sie grimmig.

»Gut«, sagte Rüdiger und stellte sich zwischen Rufina und die Tür. Er zog sein Messer aus der Scheide, nicht den Dolch, sondern das Besteckmesser, mit dem er aß, sich aber auch rasierte.

»Knie dich auf den Boden, Rufina, und halte den Mund!

Wenn du sprichst oder wenn du versuchst zu fliehen, dann schneide ich dir Nase und Ohren ab.«

Rüdiger sprach leise, aber Rufina zuckte zusammen; sie zweifelte offensichtlich nicht an seinen Worten. Langsam sank sie auf die Knie.

Das ist der Vorteil, wenn man als Verrückter gilt, dachte Rüdiger belustigt.

 

[Bei einem Gerichtskampf rechts des Rheins:]

 

Rüdiger war ausgesprochen schlecht gelaunt. Es war nicht ungewöhnlich, dass er sich als Gerichtskämpfer verdingte, sein Einkommen als Fechtlehrer reichte nicht immer aus. Und Rüdiger fand sich auch in den alten Ritteridealen wieder, den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen, indem er für sie kämpfte.

Natürlich in erster Linie dann, wenn sie ihn gut dafür bezahlten.

So war er nach Steinbach gereist, das auf der anderen Seite des Rheins und einige Tagesreisen von Weißenburg entfernt lag, um für einen alten Bürger zu kämpfen, der sich selbst nicht mehr dazu in der Lage sah.

Bei der Auseinandersetzung ging es wohl um ein Stück Ackerland, das der Alte ebenso beanspruchte wie sein Nachbar, der ein Schmied war.

Die Ansichten waren hier und dort verhärtet, böse Worte waren gefallen, aber keine Seite hatte einen eindeutigen Nachweis über den Besitz des Landes zu führen vermocht. Schließlich hatte der Schmied einen Gerichtskampf provoziert, in der sicheren Meinung, der Alte würde ihn verlieren.

Nun war der Greis gewitzt und auch wohlhabend genug, einen Kämpfer zu verpflichten, aber er hatte wohl versäumt, dieses vorab auch kundzutun, so dass es am Tag des Kampfes zu einem großen Geschrei gekommen war.

Weder der Richter noch der Schmied kannten Rüdiger, sahen aber ihm aber ohne weiteres an, dass er beweglich und kampferfahren war, und der Schmied protestierte auf das Heftigste gegen Rüdiger als seinen Gegner.

Auf der anderen Seite war er jedoch nicht gewillt, dem Alten das Land kampflos zu überlassen, so dass der Richter schließlich die unglückliche Entscheidung traf, den Schmied und seinen erwachsenen Sohn gleichzeitig gegen Rüdiger in den Kampf zu schicken. Der Schmied sollte mit Schwert und Buckler, dem kleinen Faustschild, kämpfen, sein Sohn mit einem langen Dolch. Rüdiger wurde Schwert, Buckler und Dolch zugestanden.

Rüdiger hasste das.

Er betrat also das mit Seilen abgesperrte Geviert auf dem Marktplatz, und der Alte, für den er kämpfen sollte, saß direkt am Rand. Der Schmied und sein Sohn nahmen Aufstellung, und auch Rüdiger ging in Position, das Schwert in der Rechten, den Buckler in der Linken. Zusammen mit dem Schild hielt er auch den Griff seines langen Dolches umfasst, dessen Klinge etwa zwei Handbreit unter dem Schildrand hervorragte.

Rüdiger taxierte seine Gegner, zwei zornige, aber nicht verschlagene Männer, die ihm inzwischen sympathischer erschienen als der Alte, der sich dem Anschein nach prächtig amüsierte.

Der Richter gab das Zeichen, den Kampf zu beginnen, und die beiden Gegner verhielten sich richtig, sie versuchten, Rüdiger in die Mitte zu nehmen und von beiden Seiten gleichzeitig zu bedrängen.

Rüdiger fluchte innerlich.

Er hasste diese Situationen; er hatte nicht vorgehabt, jemanden ernsthaft zu verletzen. Nach den Regeln des Gerichtskampfes genügte es, wenn der Gegner kampfunfähig gemacht war oder aufgab; sein Tod war nicht Bedingung für den Sieg.

Nun aber sah sich Rüdiger von zwei Gegnern in die Enge getrieben.

»Der recht Nothstand gegen zwainen«

Rüdiger hatte keine Wahl. Die beiden Gegner schickten sich an, ihn von zwei Seiten gleichzeitig anzugreifen. Rüdiger schlug mit einem mächtigen Hieb von unten nach oben nach dem Schmied, der zurückwich, und er stach gleichzeitig und eher beiläufig dem Jüngeren seinen Dolch in die Brust. Der Sohn des Schmieds brach zusammen, und Rüdiger nutzte die Ablenkung des entsetzten Vaters, um ihm durch den Oberschenkel zu stechen.

Der Kampf war zu Ende, beide Gegner am Boden, und der Alte

feixte.

Rüdiger, der bereits bezahlt worden war, ging zu dem Alten hin und wischte seine Klingen an dessen Mantel ab. Der Alte lachte jetzt nicht mehr.

Die Menge der Schaulustigen, die vorher noch begierig auf ein Spektakel gehofft hatte, schwieg betreten.

Zwei von ihnen lagen in ihrem Blut, innerhalb von Sekunden gefällt. So hatten sie es nicht sehen wollen.

Rüdiger verließ Steinbach so schnell als möglich und mit einem schalen Geschmack im Mund.

Auf dem Weg zurück, in Au am Rhein, setzte er sich in eine Gaststube am Ufer des Stromes und aß auf dem Kräuterbett gebackenen Zander.

So hatte der Tag doch noch etwas Gutes.

 

**********
Interview mit Gerwalt in der »Sklavenzentrale«
**********

In einer Rezension urteilte die »Sklavenzentrale«:

 

Man muss nicht Gerwalt-Fan sein, um diese Bücher in Spannung und Faszination zu lesen. Ziemlich wahrscheinlich ist aber, dass man es während der Lektüre wird.

Die dreibändige Geschichte um Rüdiger und die Seinen ist keine typische SM-Geschichte, sondern ein in Gerwalts ureigenem Stil inhaltlich fesselnd- und dazu sprachlich fein und authentisch geschriebener erotischer Roman.

Der Autor versteht es meisterlich, seine Figuren glaubhaft in ihre mittelalterliche Zeit zu stellen. Namen, Begriffe, Schauplätze und historische Hintergründe sind sorgsam gesetzt und recherchiert.

Er erzählt feinfühlig oder sachlich, zuweilen drastisch, aber niemals roh oder ungefüge. Der Faden reißt ihm an keiner Stelle, auch dann nicht, wenn man einen nächsten Band zur Hand nimmt. Keine der wichtigen Nebenfiguren kommt dem Leser im Fluss der Geschichte abhanden, Gerwalt webt auch deren Schicksal glaubwürdig und abschließend wieder in das Gesamtbild ein.

Authentisch lesen sich die Fechtszenen, Beschreibungen von Waffen, Werkzeugen, altertümlichen Berufen und Instrumenten, phantasievoll und anregend die erotischen Begegnungen, irritierend und aufwühlend die wie (Alp)Traumsequenzen kursiv eingefügten Szenen, die Rüdigers dunkles Ich skizzieren. Nichts, wo man hakelte, nichts, was effekthascherisch-, an den Haaren herbeigezogen oder von fremder Feder ungefragt »entliehen« – wie es auch im Bereich der SM-Literatur zuweilen geschieht.

Gute Geschichten zu schreiben ist eines, kein  Leichtes, ein gutes Buch zu schreiben das Zweite, nicht leichter. Eine solche Trilogie zu schreiben, seine Protagonisten in einer Romanfolge über ganze drei Bände leben, lieben und leiden zu lassen, ohne den Leser dabei zu langweilen oder gar zu verlieren, wäre das Dritte. Da gedeiht dann der Schreiber vom Autor zum Schriftsteller. Gerwalt ist das gelungen.

»Weidenrute und Schwert«, »Feder und Farbe« und »Kette und Kreuz« sind für Liebhaber des Genres anspruchsvoller BDSM-Literatur, die darüber hinaus ein kleines Faible für Historie haben, sicherlich ein Leckerbissen. (…)

**********

Band II der Mittelalter-Trilogie von Gerwalt

(Band I: »Weidenrute und Schwert«; Band III: »Kette und Kreuz«)