Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Eine Nacht lang wirst du käuflich sein

10. September 2009

eine_nacht_lang_kuflich_klein»Du willst mal ’ne Nutte sein? Nichts leichter als das!« Frau sollte vorsichtig sein mit ihren Wünschen – sie könnten in Erfüllung gehen …

Justine Rhett

Eine Nacht lang wirst du käuflich sein

Zehn SM-Geschichten

Paperback, DIN-A 5

156 Seiten

15,- €

ISBN 978-3-936708-29-5

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Leseprobe aus der Story »Zahlung fällig«, aus jenen Passagen, denen auch der Klappentext entnommen wurde:

Wir sollten vorsichtig dabei sein, mit welchen Dingen wir unsere Phantasien ausstatten. Es ist allzu leicht zu glauben, daß sie sicher weggeschlossen in irgendeinem Schlupfwinkel unseres Verstandes sind. Wir greifen darauf gelegentlich zurück, wenn sonst niemand in der Nähe ist und uns die jeweilige Stimmung packt. Wir schließen unsere Augen, um diese inneren Filme zu sehen, und wichsen uns einen ab, wenn wir in diese Träume eintauchen, die überfließen von all diesen Schwänzen und Muschis und Titten, die wir befingern und lecken und ficken wollen.

Und dann, jenseits dieser Sehnsüchte, verbergen wir noch finsterere Szenarios, vergraben in immer tieferen Grüften unserer Seelen – unsere persönlichsten Verirrungen und Perversionen. Manche Frauen unterhalten sich mit Vergewaltigungsphantasien, manche denken an Rudelrammeln mit geilen Regimentern unglaublich gut ausgestatteter Männer, die die ganze Nacht über ficken können. Wieder andere stellen sich vor, in sexuelle Sklaverei gezwungen und unter der Androhung schwerer Strafen dazu gebracht zu werden, jegliche Dienstleistung, wie niedrig auch immer, auszuführen.

Diese Phantasien sind unsere Geheimnisse, sicher hinter den Mauern, die wir hochziehen, um unsere privaten Welten vor der richtigen zu verstecken. Absolut sicher. Das denken wir zumindest, wenn wir sie wegschließen, jedesmal wenn ein machtvoller Orgasmus nachgelassen hat und unsere Körper und Seelen erfrischt zu einer weltverbundeneren Ebene zurückkehren.

Aber dann kriecht irgendein mephistophelischer Moment herein, der uns ahnungslos erwischt. Und es gibt immer ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. Glauben Sie nicht, daß man Sie nicht in Versuchung führen kann. Denn natürlich kann man das.

Achten Sie darauf, womit Sie Ihre Phantasien füllen. Meine stanken kaum vor Originalität. Aber sie hatten mich zu jenem Ort in den Schatten gebracht. Mein Fehler? Ich hatte vergessen, daß wir aus demselben Stoff sind wie unsere Träume …

 

Nichts hatte mir nahegelegt, daß mein mephistophelischer Moment fällig war. Es war eine Freitagnacht, und ich lag in einem Zustand nachorgasmischer Wonne auf meinem Bett, halb bedeckt und halb enthüllt von den Laken. Carls Arm war um mich gelegt; seine Finger streiften lässig meinen Bauch. Es war eine dieser Flauten, bei denen ich allmählich ’runterkam und er geduldig auf die nächste Stufe unseres Fickens wartete. Er beugte sich herüber und küßte einen Nippel. »Das war ein lauter!« bemerkte er amüsiert. Ich schwelgte in diesem Augenblick. »Woran hast du gedacht?« Kaum in der Lage, ein erfreutes Kichern zu unterdrücken, drehte ich mich auf den Bauch. »An dich – natürlich!.« Es war mir selbstverständlich völlig klar, daß eine solche Antwort ihn nicht irreführen würde. Wollte ich ihm etwas vortäuschen, oder wollte ich ihn wirklich wissen lassen, welche Phantasien mir durch den Kopf gegangen waren, als ich kam?

Er schlug mir auf den Hintern. Nicht besonders fest. Verspielt. »Wessen Schwanz hat dich gestopft?« fragte er, wobei sein eigenes Vergnügen an diesem Spiel in seinem Ton hörbar wurde. Noch ein Kichern. Noch ein Schlag. So ging es eine Weile weiter, das Spiel baute sich auf, unsere Geilheit wuchs wieder. Er rollte mich herum und bestieg mich, drückte dabei meine Gelenke zu beiden Seiten meines Kopfes auf das Kissen. Ich wollte seinen Schwanz. Er stand aufrecht zwischen meinen Titten und wartete auf mich. Lockte mich. Ich reckte meinen Kopf danach, leckte mir lüstern die Lippen. »Sag’s mir, und du darfst mal dran lutschen!« sagte er und umklammerte meine Gelenke nur ein bißchen fester, als ich hochzukommen versuchte. Es war die ultimative Versuchung, und ich konnte einem so wundervollen phallischen Angebot ebensowenig widerstehen wie ein Verhungernder einer Mahlzeit.

»Ich war eine Hure«, sagte ich ihm, meine Augen auf den seidigen »Purpurhelm« gerichtet, der mich in seinem hypnotischen Bann hielt. »Ich war eine Luxushure …«

Ich hob meine Augen jetzt zu den seinen, wollte seine Reaktion beobachten. »Ich war in einem wunderschönen Schlafzimmer, einem echten Boudoir …« Ich ließ die Worte provokativ über meine Zunge gleiten, genoß jede einzelne Silbe, stattete sie mit einer Partitur sexueller Untertöne aus. »Ich habe nur Strümpfe getragen und einen Halter dazu und Stöckelschuhe, und ein Freier vögelte mich. Ich war auf allen vieren, und er fickte mich von hinten. Sein Schwanz hämmerte in meine Möse, und er war gewaltig und dehnte mich, und ich konnte ihn nicht sehen … aber ich habe jede Minute genossen, jede verdammte Minute.«

Ich hielt inne, wartete auf eine Reaktion von Carl. Es gab keine. Nur Schweigen. Seine Hände hielten mich immer noch fest. Und sein Schwanz blieb gerade außerhalb meiner Reichweite, lockte mich mit dem Versprechen, ihn in meinem Mund zu haben.

»Als er fertig war, stand er auf und ging, nachdem er 100 £ neben mich auf das Bett geworfen hatte.« Noch eine kleine Pause. Und einen Moment lang ein Zweifel, ob ich weitermachen sollte.

»Und dann bist du ’reingekommen. Und hast die Hälfte davon genommen. Und hast ’runtergelangt, einen Finger in mich getaucht und mich eine Schlampe genannt, und dann hast du mir gesagt, ich soll mich saubermachen und fertig für den nächsten Kunden. Da bin ich gekommen.«

Carl sah mich an. Ich konnte nicht sagen, was er dachte. »Und das macht dich an?« fragte er nach einer kleinen Weile. Ich nickte. »Hast du dich jemals zu dieser Phantasie gewichst?« Ich nickte wieder, ein bißchen zögernder. »Na ja, zu so was ähnlichem«, fügte ich hinzu, als ob irgendein kleiner Unterschied in dem Drehbuch die Realität dieses Traumes ändern würde.

Die Zeit schien ihren Atem anzuhalten. Einen Moment lang fragte ich mich, ob ich zu weit gegangen war. Dann ließ er meine Gelenke los, stand auf und bewegte sich ein wenig vom Bett weg. »Komm her«, sagte er auf einmal. Seine Stimme war heiser und ein oder zwei Oktaven tiefer als sonst. Ich rollte mich vom Bett und ging zu ihm hinüber. »Auf die Knie!« befahl er. Ich gehorchte. Er packte meinen Kopf und zog ihn zurück. »Jetzt wirst du lutschen – Schlampe!«

 

Ich hatte es vergessen. Und Carl hatte abgewartet. Drei lange Monate. Der Frühling ging über in den Sommer. Die Tage waren immer länger geworden, bis ihre Dauer wieder schrumpfte. Belebende Wärme hatte sich in die drückende Schwüle einer erhitzten Stadt verwandelt. Ruhe mischte sich unangenehm mit den ersten Ahnungen langersehnter Gewitter. Und er hatte gewartet.

Dann, als wir eines Abends zu Hause beieinandersaßen und zu lesen versuchten, während die Feuchtigkeit eines Londoner Julis an unserer Haut zupfte, sagte er es mir.

Jetzt sei die Zeit gekommen. Wenn mich der Gedanke, eine Nutte zu sein, immer noch faszinierte, würde er mir zeigen, wie es wäre. Ich würde seine Hure sein.

Er lehnte sich zurück und beobachtete mich. Ich konnte immer noch nicht glauben, daß er es wirklich durchziehen würde. Es war ein Witz. Mußte es sein. Er sagte nichts mehr zu mir, saß nur da und sah mich an. Da wußte ich, daß die Entscheidung in meinen Händen lag. Ich dachte ein wenig darüber nach – und lächelte, als ich mich an seine Reaktion in dieser Nacht erinnerte. Ich kam zu einem Entschluß: Es könnte amüsant werden. Genauer gesagt: Es könnte erregend sein. Und als meine Erinnerungen wie eine Flut zurückkehrten, wünschte ich verzweifelt, ihn wieder so zu erregen wie damals. Ich wollte, daß er mich wieder auf diese Weise fickte. Außerdem war ich neugierig.

Also sagte ich ihm, daß ich bei seinem Spiel mitspielen würde.

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Die SCHLAGZEILEN 79 urteilten:

Das Buch enthält zehn Kurzgeschichten, zwischen sanfter erotischer Erzählung und handfester Einhandliteratur. In der titelgebenden Geschichte [Das Buch trug früher den Titel »Ich war kein braves Mädel, Santa Claus« – der Verleger] stellt eine allein lebende Frau bei der Rückkehr von einer Weihnachtsfeier fest, dass sie ihren Schlüssel verloren hat, klingelt beim Hausmeisterehepaar und wird dort in eine absurde SM-Situation hineingezogen – mit dem Hausmeister als strafendem und schenkendem Weihnachtsmann und seiner Frau als assistierender Elfe. Und obwohl (oder weil) ihr die Absurdität der Situation, wie ein kleines Mädchen auf dem Knie des als Weihnachtsmann verkleideten Hausmeisters zu sitzen, ihm ihre sexuellen »Sünden« zu beichten und dafür über eben dieses Knie gelegt zu werden, vollkommen bewusst ist, spielt sie mit. Am besten hat mir jedoch die Geschichte »Schrei, mein Liebling, schrei!« gefallen, in der eine masochistische mit einer dominanten Lesbe wettet, dass diese es nicht schafft, sie zum Schreien zu bringen. Der Wetteinsatz ist sie selbst. Schreit sie, so wird sie die Sklavin der Dominanten. Das Kennenlernen der beiden, die Folter, der Schrei (der natürlich kommt) und die anschließende Versklavung werden mit derselben erzählerischen Leichtigkeit und sexuellen Direktheit beschrieben wie die übrigen neun Geschichten des Buches. Ein im wahrsten Sinne des Wortes »sinnliches« Lesevergnügen, wie es vielleicht nur eine Frau schreiben kann. Die Londoner Autorin Justine Rhett werde ich mir auf jeden Fall merken.
(Michel)