Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Don Juans letzter Flirt

9. September 2009

don_juan250px»Don Juan« nannte er sich – der Vergewaltiger, der seine Opfer mehr durch geistige Kraft denn durch Gewalt bezwang. Bei seinem letzten Opfer kam er an seine Grenzen – wie viele Helden der Stories in diesem Band …

N. N. Parker / Cagliostro / R. Happ / Jan van Leyden:

Don Juans letzter Flirt

13 Stories

Paperback, DIN-A 5

184 Seiten

17,70 €,

ISBN 978-3-936708-31-8

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Leseprobe – der Beginn der Titelgeschichte (teilweise identisch mit dem Klappentext):

Ich hatte meine schlanken, netzbestrumpften Beine provokativ übereinandergeschlagen, spielte scheinbar gedankenverloren mit meinem Lippenstift herum und ließ meinen Blick durch das kleine Bistro schweifen. Zwar schien ich die Aufmerksamkeit einer Gruppe junger Männer zu erregen, die ein paar Meter entfernt an einem Tisch zusammensaßen, aber zu einer weitergehenden Reaktion als sich gegenseitig mit Aufforderungen und witzig gemeinten Sprüchen hochzunehmen, schienen sie nicht in der Lage zu sein. Auch keiner der anderen Gäste des Bistros unternahm irgendeine Art von Annäherungsversuch. Der Mann, den ich suchte, war entweder nicht anwesend, hatte kein Interesse an mir oder durchschaute aus irgendeinem Grund, daß ich nur der Köder einer Falle war. Und so ging das nun schon seit einigen Tagen.
Ich hatte die ganze Aktion von Anfang an für eine ziemlich blöde Idee gehalten. Leider war Gallimard, der Vorsitzende der Sonderkommission für paranormale Verbrechensfälle, der ich angehörte, anderer Ansicht. Seiner Meinung nach war unser Vorgehen die einzige Möglichkeit, den Sexualstraftäter aus dem Dunkel zu locken, den die Printmedien mit dem ihnen eigenen Gespür für angemessene Bezeichnungen »Don Juan« getauft hatten. Der Name war entstanden, weil »Don Juan« seine Opfer nicht wie der typische Vergewaltiger mit körperlicher Brutalität zum Verkehr zwang, sondern sie lediglich mittels seiner fesselnden Augen zu absoluter Hingabe zwang, durch bloßen Blickkontakt eine Art hypnotischer Kontrolle über sie zu gewinnen schien. Danach ließen sie alles bereitwillig mit sich geschehen, was auch immer er mit ihnen anstellte.
Bei seinem ersten bekannten Opfer handelte es sich um eine junge Fremdsprachensekretärin, die er offenbar rein zufällig bemerkt hatte. Ihrer Aussage nach hatte sie am späten Nachmittag gerade ein Telefongespräch mit ihrem Freund beendet und war aus der Zelle getreten, als dieser Mann, an dessen Aussehen sie sich nur verschwommen erinnern konnte, auf sie zugekommen war. Fest stand, daß er schlank war, dunkelhaarig, um die dreißig, mit asketischen Gesichtszügen und feurig-dunklen Augen, von denen diese unwiderstehliche Macht ausgegangen sei. Sobald sie den Blickkontakt aufgenommen hatte, sei sie nicht mehr zu eigenen Entscheidungen in der Lage gewesen. Es hatte ihr zunächst auch nicht das geringste ausgemacht, daß sich eine größere Menge teils belustigter, teils schockierter, teils empörter Zeugen um sie gesammelt hatte, als sie vor diesem fremden Mann aus ihrem Blazer schlüpfte, ihre Jeans öffnete und sich auf der Kühlerhaube eines PKWS nach allen Regeln der Kunst durchvögeln ließ. Ein einzelner Zeuge, der nahe genug gestanden hatte, sagte aus, er habe sie einzelne Wortfetzen hervorstöhnen hören, war sich allerdings unsicher, ob deren Aussage »bitte nicht! … aufhören!« oder vielmehr »bitte … nicht aufhören« gelautet habe, er sei aber wegen der »offensichtlichen Freiwilligkeit der jungen Dame« von letzterem ausgegangen. Nach einigen Minuten habe der Unbekannte sich offensichtlich in sie ergossen, sich sodann von ihr gelöst, seine Kleidung geordnet und sei davongeeilt. Sein Opfer sei noch halb im Dämmerzustand von der Kühlerhaube herabgerutscht und erst langsam wieder zu sich gekommen, als sie sich in diesem Zustand von einer aufgebrachten Menschenmenge umringt sah.
Ich leerte mein Cocktailglas, strich meinen Mini glatt, steckte den Lippenstift wieder in meine Handtasche, ließ einen Geldschein auf dem Tisch zurück und stolzierte aus dem Bistro. Mittlerweile konnte ich mich tatsächlich einigermaßen elegant in den Stöckelschuhen bewegen, obwohl ich normalerweise nur Jeans und Sneakers gewöhnt war. Aber ich mußte Gallimard darin zustimmen, daß wir nur dann eine Chance hatten, überhaupt die Aufmerksamkeit dieses Verbrechers zu erregen, wenn ich so sexy und verführerisch wie möglich aussah. Andererseits wollten sie aber auch nicht irgendeine potentielle Schönheitskönigin den Lockvogel spielen lassen, sondern nur eine echte Koryphäe, die im Notfall auch in der Lage sein würde, die einzige sich bietende Chance zu nutzen und blitzschnell zuzuschlagen, bevor der Gesuchte seine immensen hypnotischen Kräfte einsetzen konnte.
Unsere Einheit hätte die Vorstellung von einem Frauen fast magisch becircenden Serientäter niemals ernstgenommen, wenn sich diese Fälle in den letzten Tagen nicht so außerordentlich gehäuft hätten. Offenbar war der Mann, hinter dem wir her waren, von seiner eigenen Macht bald dermaßen berauscht, daß er einiges an Risiko auf sich nahm, nur um sie unter Beweis zu stellen. Er hatte die Möglichkeit, jede gutaussehende Frau, die ihm über den Weg lief, in Sekundenschnelle zu unterwerfen und sich vollkommen hörig zu machen, und auf die Ausübung dieser Gabe wollte er offenbar keineswegs aus reiner Vorsicht verzichten. Dienstag vor 14 Tagen hatte er sich ein 17jähriges Mädchen als Opfer erkoren. Sie war mit ihren Eltern bei einem Theaterbesuch, trug ein schickes vanillefarbenes Kleid und war in höchst eleganter Weise zurechtgemacht. Er hatte sie vor der Garderobe angesprochen, als sie in der Pause noch etwas aus ihrem bereits abgegebenen Mantel holen wollte. Vor den Augen anderer Theaterbesucher hatte er sie zuerst dazu gebracht, ihren Slip unter dem Rock hervorzuziehen und ihm mit einem ehrerbietigen Knicks zu überreichen, dann hatte er sie auf den Theatervorplatz geführt, der wegen starker Regenfälle ziemlich schlammig geworden war. Dort hatte er sie zu Boden geworfen, ihr die Kleidung aufgerissen und die Kleine nach Strich und Faden durchgevögelt, nur um sie dann im Schmutz liegenzulassen. Eine andere junge Frau, die er zu später Stunde in einer Disco entdeckt hatte, hatte er sogar dazu bringen können, sich vor den Augen der anderen Discobesucher vollständig zu entkleiden und auf einer Art Bartresen unter Abgabe von katzenhaften Schnurr- und Fauchgeräuschen auf allen vieren entlangzukriechen. Die Umstehenden waren vermutlich bereits zu betrunken, um in der Angelegenheit mehr als eine ziemlich ausgeflippte Aktion zu sehen. Vielleicht schoben sie das Verhalten des Mädchens darauf, daß sie ein paar zu harte Drogen zuviel eingeworfen hatte. Auf jeden Fall hatte sie, als sie schließlich wieder zu sich kam, ziemliche Probleme damit, ihre Kleidungsstücke zurückzuerlangen.
Ich marschierte weiter durch die Straßen und Gassen dieses Viertels, in dem der von uns Gesuchte hauptsächlich zugange war, und patrouillierte mehr oder weniger willkürlich die Punkte ab, die uns als Schauplätze seiner diversen Verbrechen bekannt waren: die Straßenecke, an der er eine attraktive Geschäftsfrau zu später Stunde zu einem privaten Striptease aufgefordert hatte, sie dann an ein Fenstergitter fesselte, sich bediente und wieder verschwand. Das Dornengestrüpp vor einer Bäckerei, in dem er einem jungen Mädchen am hellichten Vormittag Shirt und BH ausgezogen und sie sich dann vorgeknöpft hatte, bis sie von den Dornen ganz blutig geworden war, um sie in diesem Zustand völlig verwirrt zurückzulassen. Der Spielzeugladen, in dessen Schaufenster seine Verkäuferin in höchst entwürdigender Stellung gefesselt gefunden worden war, nachdem sie unser geheimnisvoller Fremder aus einem umgestürzten Mülleimer eine halbe Stunde lang allen möglichen Abfall hatte apportieren lassen.

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Die SCHLAGZEILEN 96 urteilten im Februar 2008 über das Buch:

13 Kurzgeschichten zum Träumen

13 Kurzgeschichten umfasst das Buch »Don Juans letzter Flirt«, und jede von ihnen ist eine Anregung zum Träumen und Phantasieren. Die Konstellation, in der die Frau das Opfer ist, herrscht vor. Einvernehmliches passiert so gut wie nicht, es geht nicht um den SM, wie er in der Realität gelebt wird, sondern um echte Sklaverei, Entführung und Erpressung. Dennoch sind die Geschichten vielfältig und orientieren sich an verschiedenen Genres. Die Titelgeschichte handelt von einem Sexualstraftäter, der es schafft, Frauen nur durch den Blick seiner Augen willenlos zu machen, um seine perversen Bedürfnisse an ihnen auszuleben. Die Polizei setzt einen attraktiven Lockvogel auf ihn an … Das Buch ist empfehlenswert und überzeugt sowohl vom literarischen Können der Autoren als auch durch die extremen und teilweise perfiden Ideen. 

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»Ruthmor« urteilte auf Amazon.de: »›Henry Slesar und Stanley Ellin, die Pointengierigen‹ lautete einmal eine Kapitelüberschrift in einem Buch über Kriminalromane – und man könnte es auch auf die Verfasser der Kurzgeschichten in diesem Band anwenden: Da reden Menschen aneinander vorbei, da werden die Leute in die Falle gelockt (mal die ›Guten‹, mal die ›Bösen‹, es ist also nicht so, daß stets nur das Böse siegt, keine Sorge), da enthält fast jede Geschichte eine überraschende Wendung, so daß ich mich schwertue, allgemeines über den Inhalt zu sagen. Es sind wirklich ›hard boiled short stories‹ bester amerikanischer Schule. Meine Empfehlung – lesen! (… zumal die SM-Erotik weiß Gott nicht zu kurz kommt!)«