Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

Apollonias Welt

19. Februar 2009

Apollonias Welt

GOR verkehrt: Nicht Frauen, sondern Männer werden hier aus unserer Mitte gerissen – versklavt und entführt in eine andere, völlig von Frauen beherrschte Welt, in der es mancherlei Überraschungen gibt …

 

Simone Maresch

Apollonias Welt

Paperback, DIN-A 5

174 Seiten

18,- €

ISBN 978-3-936708-14-1

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Leseprobe:

Gefahr in der Disko ….

Apollonia beobachtete Miranda von einem Platz an der Theke. Sie war fast unbemerkt hinter ihr hineingekommen. Einfach klasse, dieser Auftritt. Immer nach Vorschrift, immer nach den Regeln, mit eiserner Disziplin, Miranda war ein Phänomen. Und immer die gleiche Reaktion. Verblüffte Kerle, faszinierte Kerle, sabbernde Kerle.
Apollonia bestellte sich eine warme Milch und beobachtete das jagdbare Wild. Das war ihr Part, beobachten, Miranda den Rücken decken, und im Notfall eingreifen. Keinen entkommen lassen, der sich lohnen würde.
Und lernen sollte sie. Sie war sich nie so sicher, ob das jemals ihre Methode werden würde. Vorschriften hin oder her. Sie hatte eine andere Technik. Sie arbeitete lieber under cover und auf eigene Rechnung.
Das tat der Bewunderung für Mirandas Arbeitsweise jedoch keinen Abbruch. Sie sah zu, wie sich nach und nach ein Kreis von strammen Bewunderern um Mirandas Tisch versammelte. Sie hörte ihr Lachen und sah sich nach den Überbleibseln an der Theke um. Direkt neben ihr schlabberte ein eher unauffälliger kleiner Bursche einen Rum nach dem anderen.
Reichlich hinüber, aber gesprächig. Er redete schon eine ganze Weile auf Apollonia ein, ohne daß sie bisher irgendeine Reaktion gezeigt hätte. »Und dieses Weib schmeißt mich einfach raus. Stell dir das vor … Ich hab alles für sie gemacht … alles …« Er sah Apollonia erstaunt an. »Hey, wo issn mein Kumpel … Wer bist du denn?«
»So so …« sagte Apollonia, »gekocht hast du für sie – kannst du das denn?«
»Ich kann alles, alles, alles … aber sie hat mich rausgeschmissen, diese verdammte Schlampe …«
Apollonia schaute ihn an. »Wie ist dein Schwanz, Dummkopf?«
»Was? Schwanz? Mein Schwanz kann auch alles … Wieso interessiert dich mein Schwanz – bist du auch so’n Scheißflittchen?«
Apollonia entschloss sich, diese todeswürdige Beleidigung für den Moment zu ignorieren und sagte: »Dein Schwanz interessiert mich, weil ich auf Männerjagd bin. Ich fange sie und nehme sie mit, du Mistkerl … und du bist mein erstes Opfer heute.«
Er sah sie verständnislos aus trüben Augen an. »Er will bezahlen!«, schnauzte sie den Keeper an. Sie zog ihm einen Hunderter aus der Brieftasche und warf ihn auf die Theke.
»Na komm schon … Arschloch!«
Sie nahm ihn mit einem kräftigen Griff beim Ohr, zerrte ihn vom Barhocker, beantwortete seine Proteste mit einem deutlichen und schmerzhaften Dreh ihrer Hand und steuerte den Ausgang an.
»Na, Mäusken, bringst du deinen Süßen nach Hause?«
Der Türsteher grinste.
Sie zog ihre Beute ohne ein Wort an ihm vorbei bis in die dunkelste Ecke des Parkplatzes. Dort ließ sie ihn los, öffnete mit ein paar routinierten Handgriffen seine Hose und zog sie mit einem Ruck herunter. Sie stellte den Rucksack ab und kramte ein bißchen darin herum. »Hey, spinnst du oder was …?« Er stand unsicher und rieb sich sein schmerzendes Ohr. »Halt’s Maul – du wirst nur sprechen, wenn du gefragt wirst, Scheißkerl!«
Sie holte eine Art Manschette aus ihrem Rucksack, steckte seine versammelte Männlichkeit hinein und zog das Ding zu. »Scheiße – das tut weh! Was machst du da, du durchgeknallte Kuh?« Apollonia nahm die Hundepeitsche vom Gürtel drehte ihn um und schlug ihn zweimal quer über seinen nackten Arsch. Seinen Schrei erstickte sie in einem Klebeband.
»Halt still jetzt – wenn dir deine Scheißeier lieb sind.«
Sie griff nach seinen Armen, legte ein paar Schlingen eng um die seine Handgelenke und band ihn an den Zaun. Sie holte einen roten Marker aus der Tasche, beugte sich zu seinem Hinterteil hinunter und schrieb ein großes A auf seine linke Arschbacke. »Ich habe vergessen, dich zu fragen, wie du heißt, Scheißkerl … Egal … Carl ist doch hübsch, oder?« und sie schrieb CARL in großen Buchstaben daneben.

Sie lief zurück zum Eingang. Betrunkene waren leicht, zu leicht. Langweilig und unerotisch. Aber kochen konnte er ja. Er würde schon zu irgendwas taugen.

Miranda hatte Apollonias kleinen Alleingang natürlich bemerkt, während sie mit traumhafter Sicherheit die kleine Schar von Bewunderern regierte. »So, du bist also Bodo«, sagte sie gerade zu einem hochgewachsenen muskulösen Kerl in Jeans und T-Shirt. »Booodoooo …  was für eine hübscher Name … für einen Hund.« Bodos stolzes Grinsen fiel in sich zusammen; die anderen lachten. »Ein Halsband würde dir sicher gut stehen …  Komm, mach wuff-wuff, Booodooo!« Sie schob sein T-Shirt nach oben, tätschelte seinen Waschbrettbauch und bemerkte mit der ihr eigenen unbestechlichen Beobachtungsgabe, dass ihr seine deutliche Erektion sehr gut gefiel. Dass er ihre appetitlichen Brüste dabei nicht aus den Augen ließ, war ein kleiner, durchaus korrigierbarer Fehler. »Booodoooo«, gurrte sie, »was meinst du, mein Kleiner, gehen wir noch ein bisschen zu mir? Hm? Kommt ihr mit, meine Süßen …?« Sie blickte zu Apollonia hinüber, die wieder ihren Platz an der Theke eingenommen hatte. »Und die nette Kleine da nehmen wir auch mit …« Miranda winkte zur Theke hinüber. Apollonia drehte sich zu dem Keeper um. »Noch so’n Schampus! Gib mir die Flasche!« Der stellte die entkorkte Flasche auf die Theke. Apollonia suchte in ihrem Rucksack nach einem kleinen Fläschchen. Sie schraubte es auf und goss seinen Inhalt vor den Augen des verblüfften Barkeepers in die Flasche. »Du solltest sehen, wie geil das Zeug macht«, sagte sie. »Willst’n Schluck?« Er schüttelte den Kopf. Sie trug die Flasche zu dem Tisch hinüber, und während Miranda die Jungs zum Trinken animierte, klappte sie ihren kleinen Kommunikator am Handgelenk auf und tippte den Code für das Bergungsteam ein. Sie folgte der Gruppe in kleinem Abstand zur Tür, sah sich noch mal nach dem Barmann um, der ihr immer noch hinterher starrte. Vielleicht beim nächsten Mal, dachte sie – eigentlich ein propperes Bengelchen.

Die Stretchlimousine des Bergungsteams kam um die Ecke, als die ersten schlapp zu machen begannen. Apollonia tippte Miranda auf die Schulter. »Da hinten liegt noch einer, den wollte ich uns nicht entgehen lassen …« Sie zeigte auf die hintere Ecke des Parkplatzes, in der sie Carl zurückgelassen hatte. »Ich greif mir noch den Türsteher.«

Miranda begann die halb bewusstlose Bande von zukünftigen duldsamen Sklaven in die Limousine zu dirigieren. Apollonia schlenderte zu den Türstehern hinüber. »Hey«, rief sie dem einen zu, »kannst du mir mal helfen?«
»Was denn, Baby!? Aber sicher!«
»Komm mal her!«
»Na, komm schon!« Sie wich in Richtung Limousine zurück und verschwand hinter einem Transporter, wartete, bis der hilfsbereite Depp unmittelbar neben ihr stand.
»Na, Mäuschen, was kann ich für dich tun, hm?« Sie griff ihm an die Hose.
»Hey, das geht doch nicht – was machst du da?«
Er wich zurück, aber der kurze Moment hatte ihr genügt. Ein ordentliches Prachtstück – wie ein Zuchtbulle. Sie sprühte ihm die Chemikalie ins Gesicht, die sie die ganze Zeit über in ihrer Hand verborgen gehalten hatte, und schleppte den baumlangen, hilflosen Kerl am Kragen zur Limousine hinüber.
Hose runter. Markierung auf den Arsch. »Wie gefällt euch BERNIE für diesen hier, Schwestern?«
Die stämmige Frau vom Bergungsteam vervollständigte ihre Liste. »Mit diesem sind es zehn. Alle Achtung, Mädchen.«

Miranda saß schon vorn neben der Fahrerin und rückte ein wenig beiseite, um ihr Platz zu machen. »Lass nur, ich stromere noch ein bisschen rum. Wir sehen uns morgen.«
»Pass bloß auf dich auf und stell nichts an, hörst du.«
»Ja, Mama.« Apollonia grinste Miranda herausfordernd an und sah dann dem schweren Fahrzeug noch einen Moment hinterher.

Unglaublich. Keine zwei Stunden hatten sie gebraucht, um ein knappes Dutzend erwachsener Männer aufs Kreuz zu legen. Vertrauensselige Dummköpfe . Nichts als Schwanz und Muskeln.

Und sie machte sich auf den Weg in die Nacht.

Böses Erwachen …

Der, den Apollonia Carl genannt hatte, wachte auf.
Er wachte auf von dem schlechten Geschmack im Mund, von dem Gefühl, dass sein Gehirn an allen Ecken schmerzhaft gegen die Schädeldecke stieß, und von dem schmerzhaften Druck auf seine Eier, den er jetzt ganz besonders deutlich spürte.
Die Orientierungslosigkeit des ersten Erwachens wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass er nichts sehen konnte, dass sein Mund noch immer mit dem Klebeband verschlossen war, und dass seine Hände noch immer auf dem Rücken zusammengebunden waren. Panik stieg in ihm auf.
Er zerrte ungeschickt an den Handfesseln, was nichts anderes bewirkte, als dass nun auch die Schultern begannen, sich zu verkrampfen.
Sein Herz klopfte, der kalte Schweiß brach ihm aus.

Da hörte er eine Stimme. Eine weibliche Stimme.
Sanft, aber bestimmt.
»Es ist alles in Ordnung«, sagte die Stimme. »… alles in Ordnung, du bist da, wo du hingehörst, wir kümmern uns um dich, alles in Ordnung, alles wird gut, wir kümmern uns um dich, du bist da, wo du hingehörst … ganz ruhig … alles in Ordnung …«
Er begann ruhiger zu atmen und hörte auf an den Fesseln zu ziehen. Die Schmerzen in den Handgelenken ließen für einen Moment nach. Gerne hätte er gefragt, wo er war.
»Du bist, wo du hingehörst«, sagte die Stimme, »alles in Ordnung, alles wird gut, wir kümmern uns um dich.«
Er dämmerte wieder ein wenig ein, bis ein paar andere Geräusche zu ihm vordrangen.
Leises Stöhnen. Ein Weinen von irgendwo.
Der Geruch von Urin stieg ihm in die Nase und er bemerkte, dass sein Unterleib immer noch nackt war. Aber er fror nicht. Der Druck auf seine Blase verursachte wie immer eine Erektion, die durch die Manschette schmerzhaft unterdrückt wurde. Der Druck in seinem Kopf ließ ihn nur mühsam zu sich kommen.
Er versuchte sich aufzurichten. Es gelang ihm nur schwer. Er stieß an etwas an, das stöhnte. Seine Füße waren ebenfalls zusammengebunden, er konnte sie bewegen, aber die Beine nicht grätschen. Was ist bloß geschehen, fragte er sich. Doch er kam nicht dazu, dieser Frage weiter auf den Grund zu gehen. Das drängende Bedürfnis, den Druck auf sein bestes Stück loszuwerden, die Sehnsucht danach, einfach pissen zu dürfen, begann jetzt alles andere zu verdrängen. Er hoffte, die Frau, die stetig und geduldig auf ihn einsprach, möge seinen Zustand bemerken und ihm auf irgendeine Weise Erleichterung verschaffen.
»Alles in Ordnung«, sagte die Stimme wieder. »Du bist, wo du hingehörst, wir kümmern uns um dich …«
An der absolut gleichen Modulation der beruhigenden Sätze merkte er jetzt, dass es eine digitale Stimmaufzeichnung war. Ein Lautsprecher also.
Also war er allein. Niemand würde ihm helfen. Er lag gefesselt, geknebelt, blind irgendwo herum, hatte Schmerzen und war absolut hilflos.

Wie wird es Carl in dieser bösartigen, ihm feindseligen Welt weiter ergehen? Lassen Sie sich fesseln von »Apollonia« – fesseln wie Carl … Folgen Sie ihm durch alle Irrungen und Wirrungen dieser fremdartigen Welt …

Und noch eine Leseprobe:

Aus Kapitel 11 (»… da will auch ich hingeh’n«):

[Max, ein »wilder«, d. h. »ungezähmter« Mann, folgt seiner geliebten Apollonia gegen deren Willen in die unterirdische Stadt Femdom-City, ohne so recht zu wissen, worauf er sich da einläßt …]:

Apollonia hatte den stillen Gang, der wenig benutzt und halb verfallen war, schon in ihrer Kindheit entdeckt. Er führte direkt an einem rückwärtigen Zugang zu Lavinias Räumlichkeiten vorbei. Sie öffnete die Tür, zog die schmierigen Stiefel aus, durchquerte die Küche und ging ins Bad. Ein heißes Bad! Genau das brauchte sie jetzt. Sie machte sich nicht die Mühe, Edgar oder Carl für die Handreichungen zu wecken. Sie wollte allein sein.

Bis zum Hals lag sie im Schaum, als sie von Lavinias lauter Stimme aufgeschreckt wurde.

»Edgar! Edgaaaar! Was in aller Göttin Namen ist das?«

Apollonia rappelte sich auf, wickelte sich in ein überdimensionales, flauschiges Handtuch und schluffte ins Wohnzimmer.

Eine Spur schmutziger Fußabdrücke kam aus der Küche, zog sich durch die halbe Wohnung und wanderte dann wieder in die Küche zurück. Es waren große Fußabdrücke. Sehr große Fußabdrücke.

»Edgaaar!« Tante Lavinia, in voller Größe, im Morgenmantal und mit Lockenwicklern, war ganz Strafgericht.

»Bitte, Herrin – ich war das nicht!« Edgar kniete vor ihr und zappelte. »Herrin, bitte –  wirklich nicht!«

»Du wirst es wieder einmal vergessen haben! Da hört sich doch alles auf! Den Stock! Sofort!«

Edgar stand auf. »Auuaa!«, jammerte er, noch bevor ein einziger Hieb gefallen war. »Schon wieder der Stock …« Er lief in die Küche und kam mit einer Handvoll biegsamer Standard-Strafstöcke zurück.

»Und dann auch noch aufsässig! Na warte! Wirst du wohl näherkommen, daß ich mich nicht so bücken muß!?« Edgar hielt die Stöcke noch höher und zitterte wie Espenlaub.

»Edgar! Sollst du den Boden schmutzig machen? Na? Sollst du das?« Lavinia stemmte eine Hand in die Seite und sah auf den gebückten Edgar hinunter.

»Nein, Herrin … geliebte Herrin, soll ich nicht. Hab ich auch nicht!«

Sie schlug mehrmals zu.

»Sollst du lügen, Edgar?«

Sehr heftige Schläge prasselten auf Edgars entblößten Hintern.

»Er lügt nicht. Ich war’s.« Max stand wie aus dem Boden gewachsen in der Küchentür. »Na ja, das bißchen Dreck … Habt ihr irgendwo einen Staubsauger? Dann mach ich das schnell weg.«

»Ein angezogener Mann!«, entfuhr es Tante Lavinia mit schreckgeweiteten Augen. »Ein angezogener, ganz und gar haariger Mann. In meiner Wohnung!« Sie sank in einen Sessel und fiel augenblicklich in Ohnmacht.

»Ach du große Sklavenscheiße!« Apollonia starrte Max an.

»Edgar, kümmere dich um deine Herrin. Na los! Kaltes Wasser und so.«

Sie nahm Max am Arm und zerrte ihn ins Badezimmer, fort aus Tante Lavinias Gesichtsfeld. Sie schloß die Tür von innen und stellte sich davor.

»Warum hast du das getan, Max?«

»Du weißt, warum ich das getan habe, Apollonia.«

»Okay, dann kriegst du jetzt, was du haben willst, du Blödmann.« Apollonia war wütend. Er sollte schon sehen, was er davon hatte.

»Zieh dich aus und wasch dich.« Sie begann in den Schränken zu suchen. »Dann alle Haare ab.« Sie hielt ihm einen Rasierer hin.

»Alle?« Max glotzte dumm.

»Alle!«, schnauzte Apollonia. »Du glaubst doch nicht, daß ich meiner Tante deinen Anblick noch mal so zumuten kann, oder?«

Max starrte auf den Rasierer.

»Und beklag dich bloß nicht! Kein Wort will ich hören. In fünf Minuten bin ich zurück, dann bist du fertig, klar?« Apollonia huschte hinaus und lief, noch immer in das Handtuch gewickelt, in die Küche.

Carl rieb sich gerade den Schlaf aus den Augen und half Edgar bei der Zubereitung einer stärkenden Brühe für Lavinia.

»Schnell, ich brauche einen Satz Sklavenklamotten. Mit Manschette und allem.«

Edgar fiel auf die Knie. »Ich bitte um Verzeihung, wunderbare Lady Apoloisia, ich habe noch nicht guten Tag gesagt.« Und er schubste Carl an, der ebenfalls niederkniete.

»Ich habe keine Zeit für dieses ganze Brimborium!« Apollonia brüllte jetzt. »Her mit dem Zeug!«

Edgar eilte, Carl kniete, und Apollonia nahm sich vor, Max nichts, aber auch wirklich nichts zu schenken, dafür, daß er dieses unglaubliche Chaos angerichtet hatte.

Eine Viertelstunde später schloß sie die Manschette, so eng es nur ging, und drehte den kleinen Schlüssel um.

Max verzog das Gesicht. »Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Wie lange bleibt das dran?«

»Immer!« sagte sie böse. »Ich hab dich gewarnt! Und das ist erst der Anfang. Komm mit.«

Im Flur nahm sie ihn beim Ohr und drückte ihn in die Knie. »Hier wartest du, bis sich meine Tante ein bißchen beruhigt hat. Wenn ich dich rufe, wirst du mit gesenktem Kopf hereinkommen. Du wirst mich mit ›Herrin‹ anreden, nur sprechen, wenn du gefragt wirst, und du wirst knien, ohne daß ich dich dazu auffordere. Ist das klar?«

»Du meinst das ernst, was?«

»Ich meine das verdammt ernst!«, sagte Apollonia und verpaßte ihm eine Ohrfeige.

Sie ging sich anziehen und überlegte, wie sie Tante Lavinia den ganzen Schlamassel erklären konnte.

Lavinia saß immer noch im Bademantel, von Edgar gefächelt, vor einem opulenten Frühstück, als Apollonia sich zu ihr setzte und sie liebevoll auf die Wange küßte.

»Was für eine Aufregung, Kind! Ist er weg?« fragte Lavinia.

»Nein, Tante Lavinia.«

»Wo ist er? Wo kommt er denn nur her? Doch nicht …« – ihre Augen weiteten sich vor Schreck, als sie Apollonias Gesicht sah – »… von oben?«

»Schau, Tante Lavinia. Ich kenne ihn von da. Ich habe die Nacht bei ihm verbracht.«

Lavinia legte eine Hand vor den Mund. »Ich hatte schon so eine Ahnung, als du sagtest, du würdest über Nacht fortbleiben. Ach, meine kleine Apollonia, du hast doch nicht … Ich meine, er hat doch nicht etwa …«

»Nein, nicht so. Mach dir keine Sorgen. Er … nun, er ist gewissermaßen freiwillig hier.«

»Du meine Güte, wie romantisch! Da sucht sich meine Kleine einen Sklaven in der Wildnis. Das ist ja wie früher! Ganz wie deine liebe Mutter!«

Lavinia hatte Tränen in den Augen.

Apollonia beschloß augenblicklich, nicht mit der ganzen Wahrheit herauszurücken.

»Aber was machen wir jetzt? Wir müssen ihn doch irgendwie legalisieren.« Apollonia hatte sich um diese Dinge nie intensiv gekümmert und sah Lavinia hilfesuchend an.

»Also früher, Liebes, früher hat es gereicht, wenn die Herrin vor Zeugen den Sklaven als ihr Eigentum anerkannte und er ihr Treue und Ergebenheit schwor. Das waren so schöne Zeremonien, mein Kind … damals.«

»Gut, dann machen wir das so. Willst du meine Zeugin sein?«

Tante Lavinia sprang auf.

»Aber ja!« Sie drückte Apollonia an sich. »Edgar! Edgaaar! Eine Liste, eine Liste für die Einladungen! Wir werden ein großes Fest geben!«

»Nein, Tante Lavinia, keine Feier. Jetzt gleich und hier. Nur wir beide.«

»Och …« Lavinia guckte enttäuscht. »Na, ganz wie du meinst, Kind. – Edgar, meine Robe. Ich kann dir ja doch nichts abschlagen, meine Süße. Darf ich ihn mir wenigstens vorher einmal ansehen?«

»Nicht böse sein, Tante Lavinia, bitte …«

»Schon gut, schon gut … Wo ist sie denn nun, unsere kleine Neuerwerbung? Er ist doch wohl inzwischen rasiert, nicht wahr?«

»Max, komm rein!«, rief Apollonia.

Sofort stand Max in der Tür, fuhr sich verlegen mit der einen Hand über die frisch rasierte Glatze und wußte nicht recht, wo er hinschauen sollte.

Apollonia räusperte sich.

Max kniete nieder und Lavinia lachte. »Ja, so ist es viel besser, man hat ja kaum was von ihm gesehen.« Sie ging ein wenig um ihn herum und befühlte lächelnd seine Muskeln.

»Hübsch, wirklich hübsch«, sagte sie dann versonnen. »Ich wünsche dir von ganzem Herzen, daß du einen guten Sklaven in ihm hast, Kind. Entschuldige mich bitte für einen Moment, ich werde mich umziehen.«

»Was passiert jetzt?« Max sah zu Apollonia hinüber.

»Du sollst nicht sprechen, Max. Vergessen?«

»Bitte.«

»Schon besser.« Apollonia lachte. »Du lernst schnell.«

»Bitte erklär mir, was jetzt passiert … Herrin.«

»Ich werde dich offiziell in Besitz nehmen. Du erinnerst dich? Ich habe dir gesagt, daß du hier Besitz sein wirst, nicht wahr?«

Max nickte. Also würde sie ihm helfen [sc. bei der Suche nach seiner Mutter, Anm. d. Verlegers], ihn einschleusen. Daß sie dabei offenbar auch ein bißchen Spaß hatte, war völlig in Ordnung für ihn, und abgesehen von der schmerzenden Manschette schien ihm die Lage erträglich zu sein.

Er sah sich vorsichtig um.

Die beiden Wichte, die gesenkten Kopfes in der Ecke knieten, gehörten wohl zum Inventar. Welcher von ihnen wohl Apollonia gehörte?

Sie bemerkte den Blick.

»Carl«, sagte sie, »komm her.«

Carl stand langsam auf, ging zu ihr hinüber und kniete wieder nieder, ohne sie anzusehen.

Max sah die Brandwunde an der Schulter und die bedrückte Gebrochenheit, die Carl umgab wie eine Aura. Ob sie das getan hatte? Das sah wirklich übel aus.

»Das ist Max.« Sie drehte Carls Kopf, so daß er Max ansehen mußte.

»Ich erwarte, daß ihr euch vertragt.«

Carl nickte.

»Kein Problem«, grinste Max und senkte dann doch lieber wieder den Kopf, als er Apollonias Blick bemerkte.

Lavinia wogte herein. »Dann wollen wir mal.« In der Robe einer göttlichen Lady, mit der Zeremonialpeitsche in der Hand, wirkte Lavinia würdevoll wie eine Hohepriesterin.

»Du, Max, mußt jetzt deine Herrin bitten, daß sie dich in Besitz nimmt«, dozierte sie.

Apollonia nickte ihm aufmunternd zu.

»Okay, also … Bitte, Herrin Apollonia, besitze mich«, nuschelte Max.

»Herrje, du Naturgewächs! Man sollte meinen, du kaufst ein Pfund Wurst!« entrüstete sich Lavinia. Was sollte dieses peinliche Geschwätz?

Max suchte Apollonias Blick. Da war wieder dieses Begehren. Fast mußte er über sich selbst lachen, aber der Blick hinderte ihn daran.

Er versuchte es noch einmal: »Bitte, Herrin, nimm mich in Besitz!« Dann beugte er, mehr aus Verlegenheit, den Kopf.

»Jetzt versprichst du ihr, ihr treu zu dienen, ihr stets zu gehorchen, ihr zu folgen immerdar, und was auch immer sie von dir verlangt, freudig zu geben«, deklamierte Lavinia.

»Ich verspreche dir, ich werde dir folgen, dir gehorchen … dir immer geben, was du haben willst …« Er zögerte.

»Für immer!« soufflierte Lavinia wohlwollend.

»Für immer«, sagte Max ergeben.

Lavinia wandte sich zu Apollonia. »Jetzt du, mein Kind.«

»Hiermit nehme ich dich in Besitz, Max. Ich werde dir befehlen und vorangehen, werde dich streng hüten und nach Gutdünken benutzen, werde dich strafen und belohnen, bis mein Leben endet oder ich dich verstoße.« Ganz selbstverständlich hatte sie in den feierlichen Tonfall Lavinias eingestimmt.

Lavinia gab Edgar einen Wink, der rutschte zu Max hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Max sah ihn ungläubig an, Edgar nickte nachdrücklich.

Schließlich kroch Max auf allen Vieren auf Apollonia zu, beugte sich tief hinunter, nahm ihren Stiefel, küßte ihn und stellte ihn sich selbst in den Nacken.

Lavinia legte Apollonia die kurze Zeremonialpeitsche in die Hand, und sie schlug ihn kräftig von rechts, von links und einmal quer über den Rücken.

Sie stemmte ihm dabei mit aller Kraft den Fuß in den Nacken.

Es tat höllisch weh. Max hielt die Luft an. Damit hatte er nicht gerechnet.

Apollonia stellte überrascht fest, daß all das, was sie an Weichheit, Freundlichkeit und verspielter Faszination für ihn empfunden hatte, dem Wunsch gewichen war, ihn zu beherrschen. Sie nahm ihren Fuß nur ungern aus seinem Nacken. Er gefiel ihr genau da, an dieser Stelle, sehr gut.

»Du bist da, wo du hingehörst.« Mit Nachdruck sagte sie ihre abschließenden Worte der Zeremonie.

»Hiermit erkläre ich den Sklaven Max zu Apollonias immerwährendem Besitz«, erklärte Lavinia feierlich.

Sie umarmte Apollonia. »Ich freue mich ja so für dich!« Dann warf sie einen vieldeutigen Blick auf Max und zwinkerte. »Es bringt Glück, wenn die ersten Striemen bluten.«

Edgar wurde in die Küche geschickt, um ein angemessenes Festmahl zuzubereiten.

Max richtete sich auf. Die Schmerzen verflogen langsam. Er nahm Apollonias Hand. Sie entzog sich ihm sofort und sah auf ihn hinunter. Nun besaß sie ihn und hatte dennoch das Gefühl, etwas verloren zu haben.

»Fertig?« flüsterte er. »Können wir jetzt meine Mutter suchen?«

»Faß mich nie wieder unaufgefordert an!«, sagte sie kalt.

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Und so urteilt die Kritik über »Apollonias Welt«:

Rezension auf www.loving-contempt.com (gekürzt):

Wenn ein Mann einen SM-Porno schreibt, schreibt er einen SM-Porno. Wenn ein Mann ein gesellschaftsanalytisches Sachbuch schreibt, dann kauft sein Leser ein gesellschaftsanalytisches Sachbuch. Und wenn ein Mann einen Liebesroman schreibt, so darf sich die Käuferin sicher sein, garantiert eine Schmonzette mit ins Bett zu nehmen. Simone Maresch hat mit »Apollonias Welt« einen Dreiklang aus allen vorgenannten Genres gewagt. Ob ihr das deshalb gelang, weil sie eine Frau ist?

Femdom-City ist eine unterirdische Parallelwelt zu unserer realen. Das christlich tradierte Rollenklischee der Geschlechter ist in dieser Stadt nicht nur auf den Kopf gestellt; die Umkehrung ist obendrein ins Extrem getrieben. Eine Feudalgesellschaft. Mit Frauen auf dem Herrscherthron. Mit leibeigenen und rechtlosen Männern – wir kennen das seit einigen Jahren aus Tschechien, [aus dem] Other World Kingdom (OWK).

Der erste Teil von »Apollonias Welt«? Eine schiere Erektionsorgie für »submissiv veranlagte Männer«. Für solche Jungs, deren Seele angerührt ist von den Selbstbewußten, den Unverschämten und den Dreisten unter den Frauen.

Nach den Penissen, die nur deshalb erigieren, weil es ihnen verboten wird, kommen – zwischen solch schwergewichtigen und pathetischen Gefühlen wie Scham, Schande, Arroganz, Dominanz, Ehre, Entehrung, Spott, Verachtung – subversiv die Zwischentöne der Seele ins Spiel. Ein Lächeln, ein Angerührtsein, ein Bedürfnis zu streicheln und gestreichelt zu werden. Ein Innehalten. Ein Hinterfragen, ein Relativieren der eigenen Denk- und Handlungsmuster.

Der Autorin Simone Maresch gelingt es souverän, das zum Zeitgeist gewachsene Thema Femdom aus dem peinlich-koketten, häufig auch kitschromantischen Sumpf der »BDSM-Subkultur« zu hieven. Im Inhaltlichen spielerisch, aufgeilend, brüskierend und entsetzend, wahrt Mareschs Schreibe in Sachen Handwerk unauffällig die Disziplin einer guten Erzählerin. Das findet längst jenseits erotischer Spezialzirkel Achtung und Interesse.

In »Apollonias Welt« zeigen sich, gewollt oder unbewußt, Anklänge an Huxleys »Brave new world«, sogar an Herbert George Wells »time machine«. Maresch geht das Thema »Macht« gleichzeitig mit pornografischer Geilheit und intellektueller Warmherzigkeit an. Sie verzichtet recht konsequent auf die sattsam bekannten und unsäglich öden »Technikanleitungen« sadomasochistischer Romanversuche. Gut so, denn das hat in einem erzählenden Text nichts verloren. Rüdiger Happs Marterpfahl-Verlag scheint sich eine erfolgversprechende Autorin an Land gezogen zu haben. Apollonias Welt kann ich einer breiten Leserschaft empfehlen: an Frauen wie Männer, an BDSMler wie an »Vanillas«. Bitte weiter so, Frau Maresch!

Andrea Schneider rezensierte auf www.lustschmerz.de wie folgt:

GOR verkehrt: Nicht Frauen, sondern Männer werden hier aus unserer Mitte gerissen – versklavt und entführt in eine andere, völlig von Frauen beherrschte Welt, in der es mancherlei Überraschungen gibt …

Apollonia, bekannt als Kolumnistin von Lustschmerz [und] den SCHLAGZEILEN und als Comedian der BDSM-Szene, hat hier einen amüsanten, satirischen »Femdom-Roman« vorgelegt. Jedes Jahr kehren Hunderte von Männern vom Zigarettenholen nicht zurück. Wo sind sie geblieben?

Erzählt wird die Geschichte der jungen, eigensinnigen Apollonia. .Sorglos aufgewachsen im Luxus ihrer Welt, fehlt ihr der Enthusiasmus der Frauen der Gründerinnen-Generation. Als sie anfängt, Gefühle für einen »wilden« Mann zu entwickeln, bricht sie endgültig aus den enggestrickten Konventionen der Frauengemeinschaft aus. Vor dem Hintergrund ideologisch-politischer Machtkämpfe innerhalb der Frauenwelt kommt es zur Konfrontation mit der übermächtigen Erzieherin Maxima …

Wie immer überzeugt mich das große Können der Autorin, das zu leisten, was man von einem Roman erwartet: fesselnden Inhalt in gewandter Sprache zu vermitteln und Bilder zu malen, die mich als Leser in ihre Phantasiewelt eintauchen lassen. Ein ebenso sinnliches, lustiges wie berührendes Buch ohne Längen, statt dessen [mit] Abenteuer und SM satt, ohne sich auf eine »typische« SM-Geschichte zu beschränken.

Ein toller Roman für alle, die mitreißende SM-Literatur mögen. Nicht nur Femdoms und Malesubs werden viel Vergnügen beim Lesen haben.

Bee schrieb in den SCHLAGZEILEN 78, Seite 59:

Ich muß gestehen, daß ich die gleichnamige Fortsetzungsgeschichte in den SCHLAGZEILEN nicht gelesen hatte. Dafür hatte ich (…) jetzt den vollen Lesegenuß. Auch hier geht es um 24/7, allerdings ohne freiwillige Basis und brutal umgesetzt. Sogenannte Aufgreiftrupps von Frauen kidnappen nichtsahnende Männer, verschleppen diese dann in ihre unterirdische Stadt und setzen sie dann einem knallharten Umerziehungsprogramm aus. Allerdings sind nicht alle Frauen, die die Annehmlichkeiten durch ihre und die stadteigenen Sklaven nutzen, der Meinung, daß so ein kompromißloses Vorgehen wirklich vonnöten ist und daß alle Männer minderwertig sind.
Ich bin ja nun bekennender Fan der Schreib- und Erzählweise von Simone Maresch. Ich mag ihren Umgang mit Worten genauso, wie ich ihre klugen Geschichten und die genaue Beobachtungsgabe für Stärken und Schwächen ihrer Mitmenschen schätze. Intelligente SM-Literatur, bei der die Geilheit nicht zu kurz kommt * schwärm *.
Ich würde uns SM-Menschen mehr solche Autoren wünschen.