Marterpfahl Verlag – die zarteste Versuchung, seit es SM gibt

Marterpfahl Verlag

9 1/2 Wochen

2. September 2009

neunDer Klassiker für alle devoten Frauen und dominanten Männer. In Deutschland jahrelang zensiert – der Einleitungsteil sagt ihnen, warum. Lernen Sie die scharfe Buchvorlage zu dem soften Film kennen.

Elizabeth McNeill

9 ½ Wochen

Erinnerungen an eine Liebesaffäre

Paperback, DIN-A 5

160 Seiten

15,- €

ISBN 978-3-9806104-1-4

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Der Klappentext:

»Aber du schlägst mich trotzdem«, flüstere ich, »auch wenn ich tue, was du sagst.« – »Ja«, sagt er. »Weil du mich gern schlägst«, flüstere ich. »Ja«, sagt er, »ich sehe gern zu, wie du zusammenzuckst, und ich halt dich gern fest, und ich hör dich gern betteln. Ich liebe die Laute, wenn du nicht mehr still sein kannst, wenn du dich nicht mehr beherrschen kannst. Ich liebe es, einen blauen Fleck an dir zu sehen und zu wissen, woher er stammt, Striemen auf deinem Arsch.«

Die meisten Abende war ich mit Handschellen an der Couch angebunden oder am Tisch davor, in seiner Reichweite, zu seinen Füßen. Von dem Augenblick an, an dem ich die Tür seiner Wohnung hinter mir zumachte, hatte ich keine Wahl mehr, war hilflos, abhängig, ganz umsorgt. Niemand erwartete Entscheidungen von mir. Ich trug keine Verantwortung.

Ich liebte das. Ich liebte das, ich liebte das, ich liebte das, ich liebte das.

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Leseprobe:

(Immer tiefer gerät die Ich-Erzählerin in den Bann ihres dominanten Geliebten, verfällt ihm immer mehr, absolviert immer extremere Gehorsamsprüfungen durch ihn – bis sie schließlich einen Nervenzusammenbruch erleidet und ihn nie wiedersieht … – DER VERLEGER)

S. 156 f.: »Jahre der immer wiederkehrenden Verstellung sind hinter mir: die Macht zu wissen, wie Ekstase geheuchelt wird, diese krämerhafte, klägliche Macht – stöhnkeuchkeuch, aahh, Liebling. ›Dynamit im Bett‹, flüstert ein Mann seinem besten Freund zu, als ich gerade das Wohnzimmer betrete – das ist erst wenige Jahre her. Ich bin bei diesem Mann nicht ein einziges Mal gekommen (…), ich habe mich in der Gewalt. Jetzt nicht mehr. Dieser Mann hat mich angenommen (…), er beherrscht mich, er kann mich haben, ganz, er kann alles haben. (…)

›Wir werden oft ins Kino gehen‹, sagt er, ›wenn wir das einmal durchgestanden haben, diese … Phase, in der wir sind.‹ Er hat recht. Man muß so eine Phase wie die durchstehen. Die Sicht zu getrübt, gefährlich-betrunkenes Fahren auf steilen, engen, kurvenreichen Straßen, als führen wir über breite Autobahnen, mit 180 Sachen, es macht uns nichts aus, daß wir betrunken sind und weit jenseits der Geschwindigkeitsbegrenzung. Er treibt mich langsam weiter, (…) eine zweite (…) Ich treibe dahin. (…) Jetzt sind es zwei Monate, daß ich außer mir bin.«

(Kurze Zeit später bricht sie nervlich zusammen – nicht nur die »Phase«, die ganze Beziehung ist zu Ende … Die Ausgabe des Rowohlt Verlags stand lange auf dem Index der jugendgefährdenden Schriften; der Einleitungsteil befaßt sich ausführlich mit der Indizierungspraxis in Deutschland. DER VERLEGER)

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Die SCHLAGZEILEN schrieben:

Erzählt die Geschichte einer SM-Liebesaffaire aus der Sicht der Frau. Realistisch schildert die Erzählerin ihre Hingabe, ihre Lust, aber auch ihre Ängste. Ein Klassiker der SM-Literatur.

Darja Behnsch (realer Name, Erotik-Autorin) schreibt auf Amazon.de:

Das Buch weicht sehr vom Film ab. Während der Film doch noch einen Hauch sanftere Erotik dieser Szene widerspiegelt, geht es ihm Buch hart zur Sache. Es ist schon fast erschreckend!
Der Schreibstil ist sehr fesselnd und man mag das Buch erst aus der Hand legen, wenn man auf der letzten Seite angekommen ist. Jeder, der das Buch aufgrund des Films kaufen möchte, sollte sich aber bewusst sein, dass ihn hier etwas ganz anderes erwarten wird.

»Pipelette« aus Berlin schrieb auf Amazon.de:

Zu intensiv fürs Leben

»Vor vielen Jahren habe ich das dünne Buch zum ersten Mal gelesen – und es war, nach der Geschichte der O, mein zweites Buch zum Thema SM. Damals habe ich es gelesen wie im Rausch, und als ich es am Ende zur Seite legte, war ich nicht nur schockiert, sondern fühlte mich auch leer und erschöpft. Weil die geschilderte Geschichte so wahr und nah am Leben ist, dass es weh tut. Auch heute, über zehn Jahre später und mit weit mehr Abstand, ist es in meinen Augen noch immer die Diskrepanz zwischen Stil und Inhalt, die dem Text eine eigene Tragik verleiht: Geschrieben ist er in einer sachlichen, distanzierten Sprache, lakonisch und direkt, fast emotionslos – und dabei geht es doch ausschließlich um Emotionen tiefster, existentieller und bedrohlicher Art; gerade deshalb überträgt die Intensität der Geschehnisse sich so nachhaltig auf den Leser. Zum Beispiel, wenn die Protagonistin schildert, was ihr Liebhaber alles für sie tat, wie er sie pflegte, wusch, fütterte, ankettete und schlug. Und auf der nächsten Seite folgt nur der eine Satz:

›Was ich tat: nichts.‹

In dieser Beschreibung steckt so deutlich genau das, was die Beziehung der beiden ausmacht: Es ist alles oder nichts. Etwas dazwischen gibt es nicht. Keine Kompromisse. Keine Grautöne. Eben deshalb packt der Mann jedesmal, wenn die Ich-Erzählerin sich (zunächst) weigert, einem seiner Befehle nachzukommen, ihre Sachen und droht die Beziehung zu beenden. Denn entweder sie gibt sich mit Haut und Haar. Oder überhaupt nicht. Und jedes Mal wieder trifft sie gegen ihre Vernunft, ganz ihrer Leidenschaft, ihrer Sucht gehorchend, die Entscheidung: Alles. Bis sie am Ende an diesem ›Alles‹ fast zugrunde geht. Und das ›Nichts‹ bleibt. So gesehen ist die Geschichte eine klassische ›Amour fou‹ – dramatisch, selbstzerstörerisch, sich unweigerlich in die Katastrophe hineinsteigernd.

Zufällig lernen die beiden Protagonisten sich auf einem Markt kennen, und im Rahmen ihrer ersten gemeinsamen Liebesnächte begeben sie sich mehr und mehr hinein in ein Leben jenseits ihres normalen Lebens. Die folgenden Szenen sind schnörkellos und sachlich geschrieben, daher im Grunde nicht erotisch und dennoch oder gerade deshalb für meine Begriffe umso fesselnder, umso erregender. So unter anderem der gemeinsame Kauf eines Bettes, bei dem die Protagonistin sich mit weit gespreizten Beinen im Geschäft vor der Verkäuferin auf das zu erwerbende Stück legen muss. Oder der Kauf einer Peitsche, die noch im Laden ausprobiert wird.

Niemals ist in diesem Buch die Rede von Sklavin, Herren, Regeln, Unterwerfung. Denn alles, was sich hier zuträgt, findet weit, weit weg statt von Szene und Inszenierung, von Phrasen und Clichés. Die Geschehnisse haben Ernst, Tiefe und Bedeutung. Und deshalb sind sie für die Ich-Erzählerin so zerstörerisch und gefährlich. Und für die Leserin so beunruhigend.

Diese Tiefe, Wahrhaftigkeit und Bedingungslosigkeit sind es auch, welche das Buch von anderen SM-Texten unterscheiden. Denn das hier Geschilderte behandelt ein uraltes Thema: die generelle Ausweglosigkeit und destruktive Kraft einer Beziehung (die eben nicht zwangsläufig (explizit) sadomasochistisch sein müsste), die zu intensiv ist, um sie in ein normales Leben zu integrieren. Daher weist das Buch über das Thema, das es oberflächlich betrachtet behandelt, hinaus und wird zu einem Stück wahrer Literatur.«